Wissenschaftlerinnen und ihre Leistungen

Mary Anning

  • 1811 fand sie das erste komplette Skelett eines Dinosauriers (ichthyosaurus). In den darauffolgenden Jahren fand sie diverse weitere Fossile. Ihre Entdeckungen prägten wissenschaftliches Denken, gründeten die Forschung der Paläontologie und brachen den Konsens der biblischen Entstehungsgeschichte.
  • In einem Küstendorf Englands wurde Mary Anning in eine verarmte Familie geboren. Um den eigenen Verdienst aufzubessern verkaufte ihr Vater Fossilien Funde von den Klippen bei Lyme Regis an Touristen*innen. Nach seinem Tod stand die Familie ohne irgendeinen Verdienst da und Mary und ihr Bruder begannen im großen Stil Fossilien zu suchen und zu verkaufen. 
  • Mit zwölf fand sie das komplette Skelet eines Fischsauriers. Dieser Fund ging in die Transactions of the Royal Society ein und sie kam in Kontakt mit den wichtigsten Geologen und Biologen ihrer Zeit. Mit 22 fand sie den ersten Plesiosaurus (eine Art Reptil, das zur gleichen Zeit wie die Dinosaurier ausstarb), 1828 fand sie den ersten Flugsaurier außerhalb Deutschlands. Diese drei Funde gelten als die wichtigsten Funde in England und als wesentlich zur Entwicklung der Paläontologie. 
  • So war bis zu ihren Entdeckungen der Konsens, dass Tierarten nicht aussterben können. Da ihre Funde jedoch so ungewöhnlich und bizarr waren, stützten sie die kontroverse These, dass sie von Tieren stammen, die es nicht mehr gab. Obwohl Annings Funde stets von Geologen ihrer Zeit beschrieben und eingeordnet wurden, war ihre Arbeit doch enorm wichtig. Sie hatte eine Begabung und unglaubliche Geduld beim Finden und Ausgraben der Fossilien. Sie arbeitete sehr sorgafältig, vorsichtig, ohne Hilfe von außen und ohne besonderes Werkzeug. Weshalb einige ihrer Ausgrabungen bis zu zehn Jahren dauerten. Und auch ohne jegliche akademische Ausbildung schaffte Anning es, ihre Funde sehr genau zu zeichnen und korrekt zu beschreiben. 
  • Ihrer Arbeit ist es zu verdanken, in welchem guten Zustand diese wichtigen Fossilie sind. Obwohl sie von der British Association for the Advancement of Science zum Ende ihres Lebens eine jährliche Pension erhielt, geriet sie in der Wissenschaft komplett in Vergessenheit. Erst Ende des 20. Jahrhunderts wurde sie als eine der wichtigsten Personen der frühen Paläontologie wiederentdeckt.

Ruth Bader-Ginsburg

Ruth Bader Ginsburg studierte in den 50er Jahren Jura in Harvard und beendete ihr Studium als Jahrgangsbeste. In ihrer Karriere war ihr das Thema Geschlechterdiskriminierung enorm wichtig und sie vertat männliche und weibliche Opfer dieser. Nach Jahren als engagierte Frauen*rechtskämpferin, Autorin neuer Lehrbrücher und Professorin wurde sie 1993 als zweite Frau der amerikanischen Geschichte in den Supreme Court berufen.
 
 Ruth Bader Ginsburg wurde 1933 in Brooklyn geboren. SIe lebte mit ihrer Mutter, die Einwanderin zweiter Generation aus Österreich war und ihrem Vater, Einwanderer aus Russland, in einem Arbeiter*innenviertel. Beide Eltern waren eher ungebildet, doch unterstützten und förderten die akademische Ausbildung ihrer Tochter. Vor allen Dingen ihrer Mutter war es sehr wichtig, dass Ruth nicht nur fleißig lernt, sondern auch unabhängig denkt und Dinge kritisch hinterfragt. Nach ihrem High School Abschluss studierte Ginsburg an der Cornell University und verließ sie als Jahrgangsbeste. Nach ihrer Heirat und der Geburt ihres Kindes, begann sie in Harvard Jura zu studieren, als eine von neun Frauen, neben 500 männlichen Studenten. Immer wieder war sie sexistischer Diskriminierung ausgesetzt, durch Kommilitonen und Dozenten. Trotzdem schaffte sie es, eine Stelle an der Harvard Law Review zu erhalten, die die prestigeträchtigste Rechtszeitung der USA rausgibt. Nach ihrem Umzug nach New York und den Wechsel an die Columbia University, schaffte sie es auch dort, Teil der Law Review zu werden. Wieder verließ sie die Uni als Jahrgangsbeste. Sie arbeitete anschließend an einen US-Bezirksgericht, an verschiedenen Universitäten, übersetzte das schwedische Gesetzbuch ins Englische und wurde schließlich die erste festangestellte Jura Professorin an der Columbia. 
 Da sie selbst immer wieder Sexismus und Lohndiskriminierung ausgesetzt war, wurde die Gleichberechtigung der Geschlechter ein prägendes Thema für ihre juristische Karriere. Sie war Mitautorin des ersten Lehrbuchs über Geschlechterdiskriminierung und vertrat Frauenrechtsprojekte bis vor den Supreme Court (den obersten Gerichtshof der USA). Auch war sie in den 1970ern Direktorin der American Civil Liberties Union (ein Projekt, dass sich für bürgerliche Grundrechte einsetzt) und deren führende Anwältin. Ihrer strategisch guten Arbeit in diesen Jahren ist es zu verdanken, dass sich diverse Gesetze in den USA verändert haben, zugunsten der Gleichberechtigung.
 1980 wurde sie durch den Präsidenten Jimmy Carter zur Richterin am Bundesberufungsgericht ernannt, wo sie die nächsten 13 Jahre arbeitete. 1993 wurde sie dann durch Bill Clinton als Richterin für den Supreme Court nominiert und mit 96 zu 3 Stimmen durch den Senat bestätigt. Inzwischen ist sie dort die führende Stimme des liberalen Flügels. Sie handelt immer sehr fall-orientiert, doch lässt sich festhalten, dass sie stets für Frauen*- und Menschenrechte eintritt. So sieht sie die Hinrichtung durch die Giftspritze und das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe als verfassungswidrig an. Sie ist Verfechterin des Rechts auf Abtreibung und des Affordable Care Acts (Obamacare). 
 2018 wurde ein Dokumentarfilm über sie veröffentlicht, der wohl beeindruckendste Satz Ginsburgs daraus: „Alles, was ich verlange, ist, dass unsere Brüder ihre Füße aus unserem Nacken nehmen.“ 

Rachel Carson

  • Die Schriftstellerin und Biologin veröffentlichte 1962 das Buch “Silent Spring”, welches inzwischen als Auslöser der weltweiten Umweltbewegung gesehen wird. Darin kritisierte sie vor allen Dingen die Nutzung von Pestiziden und klärte über deren negativen  Einfluss auf das ökologische Gleichgewicht auf. Auch fragte sie, ob und warum der Mensch das Recht hat, die Natur mit Chemikalien zu kontrollieren. Als Reaktion wurde das meistgenutzte Pestizid (DDT) in Amerika verboten. Darüber hinaus schaffte Carson es, die allgemeine Bevölkerung für das Thema Umweltzerstöung zu sensibilisieren.
  • Rachel Carson wuchs auf einer kleinen Farm in Pennsylvanien auf. Schon als junges Mädchen entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Schreiben und veröffentlichte mit nur elf Jahren in der Kinderzeitschrift „St Nicholas for Boys and Girls“ erste Geschichten. Nachdem sie als einzige unter ihren Geschwistern den High School Abschluss, als Jahrgangsbeste, schaffte, fing sie an englische Literatur zu studieren. Obwohl sie in diesem Bereich schon Anerkennung erlangt hatte, wechselte sie kurze Zeit später zur Biologie. Und das auch nachdem ihre Dozierenden ihr davon abraten, da sie meinten, dass Frauen in der Wissenschaft keine Berufsmöglichkeiten hätten. Sie schloss ihr Studium mit besonderer Auszeichnung ab und setzte einen Master Abschluss in Zoologie und Genetik oben drauf. 
  • Mitten in der wirtschaftlichen Depression der 1930er musste Carson ihre weitere Berufsausbildung aufgeben, um Geld für sich, ihre Mutter und ihre beiden mutterlosen Nichten zu verdienen. 14 Jahre lang arbeitete sie für die Regierungsbehörde “Fish and Wildlife Service”, zuletzt als Chefredakteurin des Publikationsprogramms. Grund dafür war auch ihr Chef, der ihre Fähigkeiten erkannte und sich dafür einsetzte, dass sie eine unbefristete Vollzeitstelle bekam, bei der sie ihrer Ausbildung entsprechend bezahlt wurde. Ihre AUfgaben in der Fischereibehörde waren das Schreiben von Reportagen, die Analyse von Fischbeständen und die Öffentlichkeitsarbeit. Schon zu der Zeit veröffentlichte sie auch mehrere Artikel in lokalen Zeitungen, bei denen sie die Folgen der Umweltverschmutzung auf die Fische analysiert.
  • 1951 gelang Carson mit ihrem Buch „The Sea around us“ ihr endgültiger Durchbruch. Es stand fast zwei Jahre lang ohne Unterbrechung auf der Bestsellerliste der New York Times und wurde in über 30 Sprachen übersetzt. Nun konnte sie sich ganz dem Schreiben widmen. Bei der Recherche für ihr nächstes Werk fokussierte sie sich immer mehr auf den Erhalt des Ökosystems und die negativen Folgen des Klimawandels und von Pestiziden auf dieses. Zur selben Zeit starb eine ihrer Nichten und Rachel adoptierte deren kleinen Sohn. Auch ihre Mutter lag im Sterben und sie selber war auch ständig krank – aber trotz der Verantwortung für andere und eigene schwerste Belastungen unternahm sie es, sich im Alleingang gegen die chemische Industrie der Vereinigten Staaten, letztlich der ganzen Welt zu stellen. 
  • In den 1950er Jahren wurden in den USA Unmengen des Pestizids „DDT“ und noch weit gefährlicheren MItteln über Agrarflächen gesprüht, weil man glaubte, damit die Insektenplagen, die häufig die Ernten vernichteten, endgültig ausrotten zu können. Dass damit das ökologische Gleichgewicht zerstört wurde, wollte man nicht wahrhaben, auch an höchster Stelle nicht. Die chemische Industrie war übermächtig. Carson wurde nun zur Sammelstelle für alle Informationen, die belegten, daß die Pestizide nicht nur die Insekten töteten, sondern auch die Vögel, die von ihnen lebten, das ökologische Gleichgewicht und damit letzlich unsere Lebensgrundlagen. Heute alles gängiges Gedankengut, aber damals revolutionär.
  • Carson wusste, dass ihre Anklageschrift völlig hieb- und stichfest sein musste, deshalb arbeitete sie daran, schon von schwerer Krankheit gezeichnet, bis zur völligen Erschöpfung.
  • Das Buch „The Silent Spring“ erschien 1962 – es war eine Sensation. Es veränderte grundlegend die Agrar- und Umweltpolitik der amerikanischen Regierung und unser aller Denken bis heute, es politisierte die Naturschutzverbände und trat eine öffentliche Debatte über die Bewahrung des Ökosystems los. 

Carolin Herschel

  • Sie war die erste Frau, die jemals einen Kometen entdeckte und 1787 wurde sie zur ersten Frau, die für ihre wissenschaftliche Arbeit bezahlt wurde. Mit ihrem Bruder zusammen entwickelte sie bessere Linsen für Teleskope und entdeckten hunderte neue Sterne.
  • Caroline Herschel wuchs mit ihren vier Brüdern und ihren Eltern in Hannover auf. Alle teilten das Interesse an Musik, Philosophie und Astronomie. So durfte sie, ungewöhnlicherweise für die damalige Zeit, die Schule besuchen, um schreiben und lesen zu lernen. 
  • Schon früh äußerte sie ihre Abneigung gegen gesallschaftliche Konventionen, die Frauen nur in der Rolle als Hausfrau sahen. Sie wollte sich musikalisch ausbilden lassen und auch geistig gefordert werden. Ihr Vater unterstützte sie und mit 22 zog sie nach England zu ihrem Bruder und begann erfolgreich als Sängerin zu arbeiten. Doch ihr Interesse für Astronomie war immer noch groß und sie unterstützte ihren Bruder bei seiner astronomischen Arbeit. Sie erlernte Algebra, um auch die Theorie der Wissenschaft zu verstehen. 
  • Als ihr Bruder 1781 mit ihrer Hilfe den Planeten „Uranus“ entdeckte, folgte sie ihm als Assisstentin nach Windsor und bekam ein Gehalt von 50 Pfund. Das erste Gehalt, was jemals einer Frau für wissenschaftliche Arbeit ausgezahlt wurde! 
  • In den folgenden jahren entdeckte sie 8 Kometen, schrieb Abhandlungen und verfasste einen Katalog für Sternenhaufen und Nebelflecken. Sie wurde zum Ehrenmitglied der Royal Astronomical Society benannt, als erste Frau, und wurde als Mitglied der Königlichen Irischen Akademie der Wissenschaften in Dublin benannt.

Katherine Johnson

  • Als “menschlicher Computer” arbeitete sie für NACA und NASA. Dank der Berechnungen Johnsons und anderer Frauen, war die Mission Apollo 11 erfolgreich.
  • 1918 wurde Katherine Johnson, als Kind von einer ehemaligen Lehrerin und einem Farmer, geboren. Ihren Eltern war ihre akademische Ausbildung enorm wichtig und schon früh fiel ihnen auf, dass Johnson ein Interesse an der Mathematik hatte. In ihrer Schulzeit überspring sie zwei Klassen und weil in ihrem Wohnort afro-amerikanische Kinder nur bis zur achten Klasse die Schule besuchen durften, zog sie mit ihrer Mutter 200km weg, um eine andere Schule besuchen zu können. Mit zehn Jahren wechselte sie an die High School, wo sie von ihrem Direktor auch außerhalb der Schulzeit über Astronomie gelehrt wurde. Mit nur 14 Jahren begann sie ihr Studium mit einem Stipendium am West Virginia College, ihre Hauptfächer waren Mathematik und Französisch. Schon im zweiten Jahr bot ihr ein Dozent Kurse in höherer Mathematik an und als einzige Studentin belegte sie Analytische Geometrie. Mit 18 Jahren verließ sie das COllege mit einem Bachelor mit Auszeichnung in beiden Fächern.
  • Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst als Lehrerin, doch 1952 erfuhr sie von der Möglichkeit für schwarze Frauen, als „menschlicher Computer“ für die NACA (Vorläufer der NASA) zu arbeiten und 1953 wurde sie dort eingestellt. Nach nur zwei Wochen schaffte sie es, obwohl immer noch eine strikte „Rassentrennung“ herrschte und die Gesellschaft von Rassismus und Sexismus durchzogen war, befristet in der Abteilung für Flugforschung eingestellt zu werden. In dieser arbeiteten zuvor nur weiße Männer. Doch sie erkämpfte sich noch mehr Teilhaberechte, sie bestand darauf als erste Frau an den Briefings der Abteilung teilzunehmen und traute es sich, Fragen zu stellen, die über ihren Aufgabenbereich hinausgingen und hinterfragte auch die Arbeit ihrer männlichen Kollegen. Einige dieser bemerkten, was Johnson für ein Fachwissen und Potenzial hatte. Ted Skopinski schrieb gemeinsam mit ihr eins der ersten Bücher über die Weltraumfahrt und bestand darauf, dass sie als Autorin genannt wurde. Diese Abhandlung gilt noch immer als die Grundlage der Weltraumfahrt von Menschen. 
  • In ihrer weiteren Karriere war sie an der ersten Erdumrundung eines amerikanischen Astronauten beiteiligts, da dieser sie persönlich bot, die vom Computer berechnete Umlaufbahn zu überprüfen. Sie entwickelte ein Navigationsschema, dass sich an Sternen orientierte, falls der Computer an Bord der Apollo 11 ausfallen sollten. Sie berechnete die korrekte Umlaufbahn der Apollo 11 Mission, der ersten Mondlandung. Sie stellte die Berechnungen für den Rückweg zur Erde an, als der Navigationscomputer der Apollo 13 ausfiel.
  • Für ihre Arbeit erhielt sie diverse Auszeichnungen, unter anderem die Presidential Medal of Freedom von Barack Obama, eine der höchsten Auszeichnung in den USA. Auch wurde ihre Geschichte, und die der anderen afro-amerikanischen Frauen bei der NASA, als Buch und später dann als Film „Hidden Figures“ festgehalten und geehrt.

Ada Lovelace

  • Lovelace fügte dem Entwurf der „analytischen Maschine“ (Vorläufer des Computers) diverse Ergänzungen, wie Rechenbeispiele und schriftliche Pläne, zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen, an. Dies war der erste Algorithmus der Welt und der Grundstein moderner Programmiersprache.
  • Ada Lovelace, geboren 1812, gestorben 1852, lebte in England. Sie wurde von ihrer Mutter alleine erzogen. Der Vater, Lord Byron, ein bekannter Dichter, verließ sie, als sie noch ein kleines Kind war. 
  • Ihre Mutter hatte ein großes Interesse an Naturwissenschaften und gab dieses an ihre Tochter Ada weiter. Schon mit 17 hatte Lovelace Kontakt zu den Mathematiker*innen Charles Babbage und Mary Somerville. Mit 26 nahm sie Unterricht bei Augustus De Morgan, Professor an der Universität in London. Alle drei lieferten selbst wichtige Beiträge zur Entwicklung der Mathematik. Adas wohl wichtigster Beitrag findet sich bei der Entwicklung der „analytischen Maschine“ (dem ersten Computer). 
  • Babbage arbeitete an dieser Maschine, doch zu seinen Lebzeiten wurde sie nicht gebaut, da sie die Größe einer Dampflock haben sollte und die Britische Regierung dieses Projekt nicht finanzieren wollte. Trotzdem arbeitete Babbage ehrgeizig an dem Projekt und hielt Vorträge über diese. Nach einem dieser Vorträge verfasste ein italienischer Mathematiker, Luigi Menabrea, eine Art Bedienungsanleitung dieser Maschine auf Französisch. Lovelace übersetzte diese ins Englische und fügte ihr diverse „Notes“ an, die am Schluss dreimal so lang wie die eigentliche Veröffentlichung waren. 
  • In ihren „Notes“ erklärt sie verschiedene Verwendungszwecke der Maschine, unter anderem ein Plan zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen. Dieser wird von vielen als das erste formale Programm gesehen und damit als Ursprung des Programmierens. 
  • Ihre komplett neuen Konzepte wurden jedoch größtenteils ignoriert und geraten bis in die 1970er in Vergessenheit. Doch 1975 wurde im Gedenken an sie die erste universell einsetzbare Computersprache nach ihr benannt, „ADA“. 

Lise Meitner

  • Die erste atomare Kernspaltung wäre ohne Lise Meitners Arbeit undenkbar gewesen. Als vertraute Max Plancks, Alberst Einsteins und Otto Hahns forscht sie in Berlin, bis sie 1938 zur Flucht aus NS-Deutschland gezwungen wird. Kurz später gelingt ihren ehemaligen Partnern die Kernspaltung und Otto Hahn erhält 1944 den Nobelpreis für diese. Obwohl sie an der Vorarbeit maßgeblich beteiligt war und die theoretische Erklärung für das Phänomen der Kernspaltung lieferte, wurde ihre Mitarbeit erst Jahre später gewürdigt.
  • Lise Meitner wurde 1878 in eine jüdische Familie in Wien geboren. Ihr Vater arbeitete als Rechtsanwalt und unterstützte ihre akademischen Bestrebungen. Als Frau konnte sie jedoch nur ein externes Abitur machen, diese legte sie jedoch zeitgleich mit ihrem Lehrer*innenexamen für Französisch ab. 
  • Anschließen begann sie Philosophie, Mathe und Physik an der Universität in Wien zu studieren und 1906 promovierte sie an dieser im Hauptfach Physik, als zweite Frau jemals. Anschließend ging sie nach Berlin und forschte die nächsten Jahre an der Seite von Otto Hahn und Max Planck. Jedoch wurde ihre Arbeit dort nicht entlohnt und weil sie eine Frau war, durfte sie weder den Haupteingang benutzen, noch die Vorlesungssäle und Experimentierräume betreten. 
  • Gemeinsam mit Hahn entwickelte sie die „Rückstoßmethode“ und fand diverse radioaktive Nuklide. Mit diesen Entdeckungen wurde sie in der Physik bekannt und lernte Albert Einstein und Marie Curie persönlich kennen. Ab 1918 erhielt sie als Leiterin der physikalisch-radioaktiven Abteilung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie nun endlich ein Gehalt und vier Jahre später habilitierte sie und wurde Deutschlands erste Professorin für Physik. 
  • 1938 musste sie tragischerweise ins Exil nach Schweden gehen, wo sie am Nobel-Institut ihre Forschungen fortführte, in ständiger Korrespondenz zu Otto Hahn. Dieser berichtete ihr auch von der Beobachtung des „Zerplatzen“ des Urankerns und fragte nach ihrer Einschätzung dazu. Meitner brachte dann, gemeinsam mit ihrem Neffen Otto Frisch, die theoretische Deutung und Erklärung unter dem Begriff der „Kernspaltung“. Für diese Entdeckung erhielt Hahn mit seinem Partner 1944 den Nobelpreis für Chemie, ohne das Meitners Teilhabe geehrt oder nur genannt wurde. So war sie es doch, die den Versuchsaufbau und die Theorie lieferte. Hahn führte lediglich die Experimente durch und konnte sie sich nicht erklären. Schon zur damaligen Zeit gab es Diskussionen und Argwohn über das Missachten Meitners Leistung. 
  • Nach dem Krieg erhliet sie jedoch diverse Ehrungen in verschiedenen Ländern, so auch die Dorothea-Schlözer-Medaille der Georg-August-Universität Göttingen. Außerdem leitete sie die kernphysikalische Abteilung des Physikalischen Instituts der Königlich Technischen Hochschule Stockholm und durfte an mehreren amerikanischen Universitäten als Grastprofessorin lehren. 
  • Besonders ihre Arbeit zum Verständnis des Aufbaus der Atomkerne und zur Energiefreisetzung beim radioaktiven Zerfall waren prägend für die Forschung auf diesem Gebiet. Gemeinsam mit ihrem Neffen  erklärte sie in mehreren Veröffentlichungen die Grundlagen der Kernphysik. In der Nachkriegszeit wagte sie auch einige gesellschaftspolitische Aussagen und hinterfragte die militärische Nutzung der Kernenergie und die Entwicklung von Atombomben. 

Emmy Noether

Emmy Noether habilitierte 1919 in Mathematik in Göttingen, als erste Frau in ganz Deutschland. Trotz viel Kritik und Kontroversen unterstützte die Uni Göttingen sie, zum Glück. Denn Noether erbrachte bedeutende Beiträge zu ihren Forschungsgebieten abstrakte Algebra und theoretische Physik.
Emmy Noether wurde 1882 als Tochter eines Mathematikprofessors in eine wohlhabende, jüdische Familie geboren. Sie besuchtedie höhere Töchterschule, hatte Interesse an Musik, Tanz und Sprachen und wurde nach ihrem Schulabschluss Lehrerin für Englisch und Französisch. Ein paar Jahre später holte sie die externe Abitürprüfung nacht. Bis dahin war ihr Lebensweg für die damalige Zeit nicht besonders auffällig, doch Noether sollte als „die Mutter der modernen Algebra“ in die Geschichte der Wissenschaft eingehen.
Ihre akademische Laufbahn begann eigentlich schon 1900, sie begann in Göttingen bei einzelnen Professoren als Gasthörerin in Mathematikvorlesungen zu sitzen. Und als 1903 Frauen zum STudium an bayerischen Universitäten zugelassen wurden, schrieb sie sich an in Erlangen ein, wo sie 1907 als zweite Frau in ganz Deutschland in Mathematik promovierte. 
Auf ihrem Forschungsgebiet (Differentialvarianten) war Noether inzwischen über Erlangen hinaus bekannt und so wurde sie nach ihrer Promotion von zwei Mathematikern der Universität Göttingen, dem damaligen führenden mathematischen Zentrum, überzeugt zurück nach Göttingen zu gehen. 1915 stellte sie dort mit deren Unterstützung den Antrag auf Habilitation, die durch preußisches Recht allen Frauen untersagt war. Ihr Fall löste kontroverse Debatten auf Fakültäts-, Uni- und Ministerebende aus, doch es nützte nichts, da der zuständige Minister sich weigerte das Verbot für sie zu umgehen. 
Erst nach dem Ausruf der Weimarer Republik verbesserte sich ihre Lage, 1919 konnte sie dann endlich habilitieren. Einen ersten bezahlten Lehrauftrag erhielt sie jedoch erst erst 1923, eine ordentliche Professur ihr Leben lang nicht. Mehrere Gastprofessuren allerdings schon. So zuerst eine in Moskau und anschließend in Frankfurt am Main, außerdem wurde ihr die ehre zuteil, 1932 auf dem Internationalen Mathematikkongress in Zürich einen Plenarvortrag zu halten. 
Doch gerade, als Noethers wissenschaftliche Arbeit endlich anerkannt wurde, wurden in Deutschland die Nationalsozialist*innen ermächtigt und Noether als Jüdin und Mitglied der SPD musste in die USA emigrieren. Dort erhielt sie eine Gastprofessur in Pennsylvania, wo sie jedoch schon nach zwei Jahren starb.

Elisabeth Selbert

Elisabeth Selbert wurde am 22.09.1896 in Kassel als geb. Martha Elisabeth Rhode in eine kleinbürgerliche Familie geboren. Die Familie wollte für alle ihre Töchter eine solide Schulausbildung garantieren, konnte sich jedoch nur das Schulgeld für die älteste Tochter leisten. Elisabeth legte daher eine Prüfung ab, die sie von dem Schulgeld befreien sollte. Sie besteht die Schule und wechselt auf eine „Mädchenschule“. Diese waren damals auf Frauen und deren gesellschaftliches Leitbild zugeschnitten und bereiteten nicht auf die allgemeine Reifeprüfung vor. Als sie 1912 die Schule verlässt tut sie dies deshalb ohne Reifezeugnis. Sie fühlt sich in dieser Ungerechtigkeit verletzt und wird später gemeinsam mit anderen sich dafür einsetzten, dass Mädchen der Besuch von Gymnasien und die Zulassung zum Abitur gestattet wird. Nach der Realschule besucht Elisabeth Selbert zunächst für ein Jahr die kasseler Gewerbe- und Handelsschule des Frauenbildungsvereins.
Selbert würde gerne Lehrerin werden, die Familie kann sich die dafür benötigte Bildung jedoch nicht leisten, sie fängt mit 17 Jahren daher eine Tätigkeit als Auslandskorrespondentin bei der Import- und Exportfirma Salzmann & Co an. Unmittelbar nach Beginn des Ersten Weltkrieges verliert sie ihre Anstellung nach gerade einmal einem Jahr wieder. 1916 fängt sie als Postgehilfin im Telegraphendienst an. Mit 22 Jahren lernt sie während der Novemberrevolution den Sozialdemokraten Adam Selbert kennen. Der Krieg war vorbei und der Kaiser hatte abgedankt. Beide heirateten am 2. Oktober 1920. Zudem trat Selbert in die SPD ein. Am 25.09.1921 wird ihr erster Sohn geboren, am 11.11.1922 das zweite Kind. 
Elisabeth Selbert stieg schnell auf und fing an ihre Träume zu verwirklichen. Sie redete auf Parteitagen, auf abendlichen Frauenschulungen und saß als eine der ersten Frauen deutschlandweit im Gemeindeparlament. 1926 legte Selbert nachträglich als Externe ihre Reifeprüfung ab. Dazu bereitete sie sich selbstständig auf die Prüfung vor und legte sie an einem Jungengymnasium ab. Im selben Jahr begann sie Jura zu studieren, unter anderem in Marburg und Göttingen. Sie legte 1929 das erste Staatsexamen ab und promovierte 1930.
1933 wurde Adam zwangspensioniert und als politischer Gegner von den Nationalsozialisten verfolgt. 1934 legte Elisabeth Selbert ihr zweites juristisches Staatsexamen ab. Selbert wurde zur Rechtsanwaltschaft zugelassen und arbeitete gemeinsam mit einer Gruppe von Anwälten um Möglichkeiten im Justizsystem zu nutzen, um Menschen vor Verfolgung, Zwangsarbeit Konzentrationslagern zu schützen. 
Von 1946-1952 ist Selbert Stadtverordnete in Kassel und 1946 bis 1955 Mitglied des zentralen SPD-Vorstandes. Von 1948 -1949 ist sie die Vertreterin Niedersachsens im Parlamentarischen Rat zur Beratung des zukünftigen Grundgesetzes.
Elisabeth Selbert setzte sich im Parlamentarischen Ausschuss für die Verankerung der Gleichberechtigung von Mann und Frau im Grundgesetz ein. Der entsprechende Antrag scheiterte zunächst zweimal im Hauptausschuss des Parlamentarischen Rates, worauf hin sich massiver öffentlicher Druck vor allem von weiblichen Abgeordneten und Frauenverbänden, formulierte. Aufgrund der öffentlichen Meinung sahen sich nun auch die CDU und die FDP dazu veranlasst, dem Antrag zuzustimmen. Mit der Einführung des Grundgesetzes war die rechtliche Gleichbehandlung formal erstritten und Gesetze, die gegen diesen Grundsatz verstießen mussten mit Frist zum 31.03.1953 entsprechend geändert werden.
Mit ihrem Einsatz für die Verankerung des Gleichberechtigungsgrundsatzes in der Verfassung hat Elisabeth Selbert eine große Errungenschaft für die gesetzliche Gleichberechtigung der Geschlechter erwirkt. Dieser Einsatz kann zurecht als großer Erfolg im immer noch andauernden feministischen Kampf gegen die gesetzlich-strukturelle Unterdrückung von Frauen gesehen werden.
Für ihr Engagement und ihren Kampf um Gleichberechtigung erhielt sie 1956 das Große Bundesverdienstkreuz, wenig später zog sie sich aus der Politik zurück. 1968 starb zunächst ihr Mann und 1986 versstarb sie im Alter von 89 Jahren.

Flossie Wong-Staal

  • Nach ihrer Promotion arbeitete Wong-Staal am “National Cancer Institute”, wo sie 1983 mit ihrem Team entdeckte, dass HIV der Auslöser für AIDS ist. Sie schaffte es als erste*r Wissenschaftler*in HIV zu klonen und eine komplette genetische Karte zu entwickeln, die grundlegend für die Erfindung von HIV Tests war.
  • Flossie Wong-Staal wurde 1947 in China geboren, als sie fünf war, floh ihre Familie auf Grund der Kommunistischen Revolution nach Hong Kong. Dort besuchte sie eine katholische Mädchenschule, besonders in den Naturwissenschaften zeigte sie viel Potenzial. Auf Grund dessen ermutigten sie viele Lehrkräfte, nach Nordamerika zu ziehen, um eine akademische Karriere zu verfolgen. Obwohl ihre Eltern sehr traditionell und konservativ geprägt waren, unterstützten sie dieses Vorhaben und erlaubten ihr außerdem, ihren Namen zu ändern. Ihr Geburtsname war nämlich „Wong Yee Ching“, doch mehrere Lehrer*innen waren überzeugt, dass ein englischer Name ihr die Arbeit in den USA erleichtern würde. So entschied sie sich gemeinsam mit ihrem Vater für den Namen „Flossie Wong-Staal“ und zog mit nur 18 Jahren nach Los ANgeles, um die University of California zu besuchen. Nach drei Jahren erhielt sie einen Bachelor cum laude in Bakteriologie. 1972 beendete sie ihr Studium mit einem Doktor in Molekularer Biologie an der UCLA. 
  • In dem folgenden Jahr arbeitete sie als Postdoc an der Universität in San Diego, bis sie nach Maryland zog, um am National Cancer Institute (Nationales Krebs Institut) Retroviruse zu erforschen. 1983 identifizierten sie und ihr Team HIV als Auslöser von AIDS, ein wichtiger Durchbruch in der Erforschung des Virus‘. Zwei Jahre später gelang ihr der nächste Durchbruch, als sie als erste*r Wissenschaftler*in HIV klonte und eine komplette genetische Karte von HIV vervollständigte, weshalb es möglich wurde, HIV Tests zu entwickeln. 
  • Bis zum Jahr 2002, in dem sie in Rente ging, forschte sie weiter an HIV und AIDS und machte mit ihrem Team weitere wichtige Entdeckungen, die zur Entwicklung von verschiedenen Behandlungsformen verhalfen. 

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