Liebe Wähler*innen,

vor euch seht ihr unser Wahlprogramm zu den Hochschulwahlen 2022. Als Juso-Hochschulgruppe Göttingen treten wir auch in diesem Jahr auf allen Ebenen der studentischen und akademischen Selbstverwaltung an, um eure Interessen an der Universität zu vertreten. Unser Anspruch dabei ist es, aktive, progressive und emanzipatorische Hochschulpolitik umzusetzen, damit das Studium und das Zusammenleben in Göttingen besser werden.

Das vergangene Jahr war geprägt von den Umbrüchen, Unsicherheiten und Neuerungen, welche die Covid-19-Pandemie mit sich gebracht haben. Wir haben uns für euch im AStA und den Gremien der akademischen Selbstverwaltung eingesetzt und dafür gesorgt, dass eure Interessen bei den Corona-Maßnahmen in ausreichendem Interesse gewürdigt wurden.

Als feministische, sozialistische, internationalistische und antifaschistische Organisation orientieren wir uns dabei an Idealen wie sozialer Gerechtigkeit, Solidarität und Demokratie. Mit unserer engagierten Arbeit in den verschiedenen Gremien innerhalb und außerhalb der Universität stehen wir für unsere Ideen und Idealen und die Interessen der Studierendenschaft ein. Wir wollen Euch gut nach Außen gegenüber dem Studierendenwerk, der Stadt Göttingen, dem Land Niedersachsen und auf Bundesebene vertreten und aktiv Verbesserungen, z.B. im Studium, der Wohnraumsituation oder der Studienfinanzierung, erreichen.

Hochschulpolitik bedeutet für uns immer auch Gesellschaftspolitik, da die Universität auch eng verwoben mit dieser ist. Deswegen sehen wir die Aufgaben des AStAs auch in der allgemeinpolitischen Positionierung zu Themen wie dem Kampf gegen rechtes Gedankengut oder anderen Diskriminierungsformen. Wir setzen uns aktiv gegen Rassismus, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit, Antisemitismus und Ableismus sowie für eine freie Gesellschaft ein – gerade in Zeiten einer AfD im Bundestag und im niedersächsischen Landtag ist dies dringend nötig. Daher bringen wir uns beispielsweise im Göttinger Bündnis gegen Rechts ein, sind mit anderen Initiativen vernetzt und stellen uns rechtem Gedankengut auch auf der Straße in den Weg. Durch das allgemeinpolitische Mandat sehen wir uns in der Pflicht, Veranstaltungen zur politischen und kulturellen Bildung anzubieten, die das im Studium vermittelte Fachwissen ergänzen. Hierzu wollen wir uns in Zukunft wieder als Teil des AStA einsetzen und engagieren.

Zu guter Arbeit im AStA gehören natürlich auch die Verhandlungen eines guten Bahn-, Bus- und Kulturtickets, sowie eine kompetente Beratung zu allen Bereichen des Studiums, wie Finanzfragen, Rechtsfragen oder weiteren Belangen der Studierenden.

In der Corona-Ausnahmesituation wurde die Unterfinanzierung der Universität und insbesondere der Lehre besonders sichtbar. Statt auf Spitzenprojekte wie die Exzellenzinitiative zu setzen muss die Universität endlich Geld und Engagement in die Verbesserung der Studienbedingungen investieren. Um dies sicherzustellen, wollen wir uns für eine*n studentischen Vizepräsident:in einsetzen, damit die Belange der Studierenden auch in der Universitätsleitung beachtet werden.

In den folgenden Abschnitten wollen wir ausführlich unsere Ideen für eine besser Universität und unsere Arbeit vorstellen.

Gute Lehre, Gutes Studium

  • Weiteres Solidarsemester
  • Finanzielle Sicherung einer guten, marktungebundenen Lehre (Beispiel ZESS)
  • Erhalt und stärkere Förderung von Beratungsangeboten für Studierende (Beispiel PSB)
  • Flexible und anonyme Prüfungen
  • Anwesenheitspflicht konsequent abschaffen
  • Flächendeckendes Internet und leichterer Zugang zu digitaler Literatur
Ausführliche Version

Wir sprechen uns für ein weiteres Kann-Semester aus! Die Umstände der Online-Semester erfordern eine Verlängerung der Regelstudienzeit, weiterhin sind wir Studierende beeinträchtigt in der Lehre, als auch im Studium selbst. Besonders in den digitalen Corona-Semestern ist ein kritisches und selbstbestimmtes Studium elementar. In den letzten Jahren haben sich Bund und Länder zunehmend auf die Einwerbung von Drittmitteln durch die Hochschulen zur zusätzlichen Finanzierung verlassen. Damit sind diejenigen, die sich für gute Bildung und Forschung verbürgten, ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden. Dies wird nun mit Corona noch stärker sichtbar und die Last wird unverhältnismäßig auf die Studierenden abgeladen. Bund und Länder müssen wieder stärker in die Pflicht genommen werden, damit die Lehre nicht darunter leiden muss. Bildung ist ein hohes Gut und darf niemals nur der möglichst schnellen Bereitstellung von Arbeitskräften für den Arbeitsmarkt dienen! Eine flächendeckende Hochschulfinanzierung mit breitem Bildungsangebot muss künftig gewährleistet werden, um eine „Zwei-Klassen-Bildung“ zu verhindern.Den föderalen Flickenteppich in seiner jetzigen Konstitution lehnen wir ab und fordern eine einheitliche Konzeption sowie ein endgültiges Ende des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern in Bildungsangelegenheiten. Über die Juso-Hochschulgruppen auf Bundesebene konnten wir diese Forderung tatsächlich über die SPD in die Bundespolitik bringen und streben dort weiter aktiv für Verbesserungen. Für uns ist sicher, wir werden nicht lockerlassen und kämpfen weiter! Wir stellen uns gegen die Ökonomisierung der Hochschulen und die Ausrichtung auf die Verwertbarkeit von Bildung! Insgesamt gilt: Die Juso-Hochschulgruppe Göttingen fordert eine von der Wirtschaft und finanziellen Eigenleistungen unabhängige Hochschule. Bildung als Investition in die Zukunft darf nicht privatisiert, ökonomisiert und durch Konkurrenzdenken bestimmt werden!

Gerade in den digitalen Semestern mit Isolation ist die psychische Gesundheit aller Studierenden eine Grundvoraussetzung für ein gutes Studium. Wichtig dafür ist die Psychosoziale Beratung (PSB), welche neben Beratung auch Kurse zur Entspannung und stressfreieren Studium anbietet und so Studierenden im Alltag helfen kann. Wir fordern eine Ausfinanzierung und Stärkung solcher Einrichtungen! Um Belastungen zu reduzieren, ist das Anbieten mehrerer Prüfungstermine, flexible Prüfungsformen sowie eine konsequente Anonymisierung der Prüfungen ein zentraler Bestandteil unserer Forderungen. Ebenso muss das Teilzeitstudium verbessert und ausgebaut werden, um Studierende, insbesondere mit Kindern, zu entlasten.

Die Universität muss ihre digitale Infrastruktur besser aufstellen und ausweiten. Daher fordern wir flächendeckenden Internetzugang auf allen Campi und Einrichtungen der Universität. Ebenfalls muss mehr Literatur digitalisiert, gekauft und leichter zugänglich gemacht werden, um ein coronasicheres Studium gewährleisten zu können. So können Studierende in der Risikogruppe oder Studierende, die Kontakt mit Personen aus der Risikogruppe haben, auch angemessen studieren.

Bei der Prüfungsanmeldung über FlexNow soll eine kurzfristige An- und Abmeldung unbürokratisch möglich sein. Wichtig ist eine einheitliche Regelung für die gesamte Universität. Hier befürworten wir das Konzept, welches an der sozialwissenschaftlichen Fakultät umgesetzt wurde und eine Frist von 24 Stunden für die An- und Abmeldung von Prüfungen jeder Art vorsieht. Studierende sind erwachsene Menschen und sollten auch so behandelt werden. Leider nutzten viele Dozierende einen Gesetzespassus, um sich gegen die gesetzliche Abschaffung der Anwesenheitspflicht zu sperren. Wir sprechen uns gegen die Verschulung des Studiums und für eine konsequente Ablehnung einer Anwesenheitspflicht aus. Seminare sollten aufgrund von Interesse und guter Lehre gefüllt sein – nicht aus Zwang. Gute Lehre muss einerseits durch didaktische Fortbildungen für Lehrende gewährleistet werden, andererseits durch gute Arbeitsbedingungen für die Angestellten. Die digitale Lehre ist für die meisten leider immer noch Neuland, jedoch sollten Dozierende offen für neue Lehrmöglichkeiten sein. Die neuen “verkappten” Anwesenheitspflichten im digitalen Semester, bei denen Dozierende verpflichten möchten, dass Studierende ihre Kameras anzustellen haben, sind für uns untragbar und auch schlicht illegitim. Für uns geht der Kampf gegen die allgemeine Anwesenheitspflicht weiter! An der philosophischen Fakultät zum Beispiel gelten Anwesenheitspflichten bis heute. Das wollen wir ändern! Auch ohne eine neue, große Studienreform kann das Studium verbessert werden, so sind an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät z.B. die Anwesenheitspflichten bereits abgeschafft und somit die Bevormundung von Studierenden seitens der Universität eingeschränkt.

Weiterhin sollen studentische Interessen in Lehrveranstaltungen respektiert und eingebunden werden. Lehrende und Lernende sollen auf einer Ebene agieren und möglichst hierarchiefrei miteinander arbeiten. Interdisziplinarität soll in Studiengängen ermöglicht werden, damit Studierenden die Chance gegeben wird, über den Tellerrand des eigenen Faches hinaus zu blicken und ihren Horizont zu erweitern. Hier können alle Fakultäten von dem vorhandenen Wissen an anderen Fakultäten profitieren und so Studieninhalte und Forschung verbessern. Wir fordern die bessere Zusammenarbeit der Fakultäten und die Suche nach weiteren Möglichkeiten der Kooperation, wie z.B. gemeinsame Seminare oder Vorlesungsreihen. Zusatzqualifikationen und Schlüsselkompetenzen ermöglichen es Studierenden, das fachgebundene Büffeln zu verlassen und berufsfeldnahe oder praktische Studienbestandteile zu absolvieren. Egal ob Sprachkurse, Sachkompetenzen oder Rhetorik – bei Angeboten wie der Zentralen Einrichtung für Schlüsselqualifikationen (ZESS) können Studierende ihr Studium individuell ergänzen. Dieses Angebot wird jedoch aufgrund von Sparmaßnahmen drastisch gekürzt. Solche zusätzlichen Angebote gilt es zu erhalten und endlich langfristig auszufinanzieren, damit Kurse nicht eingespart werden müssen.

Das gilt auch noch für andere Bereiche innerhalb der Lehre. Tutorien, an denen ebenfalls gespart wird, müssen weiterhin gefördert und gesichert werden, da diese eine gute Prüfungsvorbereitung bieten und die Qualität der Lehre steigern. Weiterhin sind die Wahl- und Kombinationsmöglichkeiten innerhalb der Studienfächer wichtig für ein selbstbestimmtes Studium. Dies gilt es für die gesamte Universität umzusetzen, damit das Studium nicht zu einer verlängerten Schulzeit verkommt. An der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät hat man durch Streichcredits und die Wiederholbarkeit von Prüfungen die Möglichkeit, seine Noten zu verbessern, wenn man in der Prüfung zum Beispiel einen Black-Out oder durch einen Nebenjob einfach zu wenig Zeit zum Lernen hatte. Solche Angebote müssen gerade in Zeiten von Corona universitätsweit ausgebaut werden.

Weiterhin kann durch die Erweiterung der Prüfungsarten auf individuelle Stärken von Studierenden eingegangen werden. Kann sich eine Person besser mündlich ausdrücken, würde eine mündliche Prüfung statt einer Klausur die Leistungsfähigkeit besser abbilden. Auch eine Hausarbeit sollte durch verschiedene andere schriftliche Leistungen ersetzt werden können, die einen äquivalenten Arbeitsaufwand haben. Darüber hinaus gibt es auch innerhalb der Prüfungen aufgrund von Namen oder Merkmalen bei den Matrikelnummern strukturelle Diskriminierung. Wir fordern eine flächendeckende Pseudonymisierung von Prüfungen. Dies erhöht die Chancengleichheit aller Studierenden und vermindert schlechtere Bewertungen aufgrund individueller oder struktureller Abneigung.

Soziale Uni

  • alters- und elternunabhängiges BAföG
  • Notfallmechanismus im BAföG
  • mehr bezahlbarer Wohnraum
  • Finanzierung der Studierendenwerke sicherstellen
  • Abschaffung aller Studiengebühren (Verwaltungskostenbeitrag etc.)
  • Tarifvertrag für studentische Beschäftigte
Ausführliche Version

Wir kämpfen als Hochschulgruppe aktiv für soziale Gerechtigkeit. Dies bedeutet, dass wir für alle Menschen Hürden an der Hochschule abbauen wollen. Vor allem für diejenigen, die durch ihre Lebenssituation sowieso schon stärker belastet sind. Dazu gehören Studierende mit Kind genauso wie Studierende, die ihr Studium durch einen Nebenjob finanzieren müssen oder auch andere Gruppen von Studierenden, zum Beispiel solche, die Angehörige pflegen. Auch richtet sich da unser Blick auf die geflüchteten Studierenden, denen ein regulärer und unbürokratischer Hochschulzugang ermöglicht werden muss. Zu einem guten Studium in Göttingen gehört auch bezahlbarer, studentischer Wohnraum. Seit mehreren Jahrzehnten verschärft sich der Wohnraummangel in der Stadt Göttingen immer weiter. Wir fordern daher die bessere Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis, aber auch eine umfassendere Unterstützung des Studierendenwerks durch Mittel aus dem Landeshaushalt. Mieten dürfen für die Studierenden nicht immer mehr steigen. Hier muss der soziale Wohnungsbau für alle stärker gefördert werden. Studierende, Geflüchtete und Menschen mit keinem oder geringem Einkommen dürfen auf dem Wohnungsmarkt nicht gegeneinander ausgespielt werden! Vielfältiger Wohnraum ist wichtig für uns: Alle Wohnformen müssen vom Studierendenwerk weiterhin gefördert werden! Die Fokussierung auf Einzelappartement mit Nasszelle und Kochnische darf nicht unser Ziel sein. Hier gilt es auch eine Diversität zu erhalten.
Wir wollen weiterhin, dass das Essen in der Mensa für alle Studierenden bezahlbar bleibt. Preissteigerungen wie die Kaffee-Preiserhöhungen der letzten Jahre dürfen nicht zur jährlichen Gewohnheit werden. Insgesamt muss das Studierendenwerk als starke Service-Einrichtung für uns Studierende finanziell besser vom Land ausgestattet werden, damit es seinem Auftrag gerecht werden kann, die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Belange der Studierenden zu verbessern. Es kann nicht sein, dass die Beiträge der Studierenden für das Studentenwerk immer stärker steigen, das Land aber seit Jahren relativ weniger Geld zahlt. Das muss sich ändern! Gerade auch in der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig starke Studierendenwerke sind. So hat das Göttinger Studentenwerk im Rahmen seiner Möglichkeiten finanzielle Mittel bereitgestellt und den Mensa- und Cafeteriabetrieb nach den gerade geltenden Regeln aufrechterhalten. Die dadurch entstandenen finanziellen Nachteile müssen auf jeden Fall durch das Land ausgeglichen werden!

Wir kämpfen für ein alters- und elternunabhängiges BAföG, dessen Sätze regelmäßig und automatisch an die finanzielle Lebensrealität der Studierenden angepasst werden. Hier gilt es die Unabhängigkeit der Studierenden zu erhöhen. Die kleinen „BAföG-Reförmchen“ gehen uns nicht weit genug! Langfristig ist das BAföG wieder als Vollzuschuss vom Bund zur Verfügung zu stellen und wir streben eine deutliche Erweiterung des Berechtigtenkreises durch eine Anhebung der Freibeträge an. Damit BAföG-berechtigte Studierende dies auch annehmen, muss außerdem eine transparentere, breitere und verständlichere Beratung zu BAföG erfolgen und ein digitaler Antrag möglich sein. Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung enthält einige Verbesserungen für Studierende. Als Juso-Hochschulgruppen auf Bundesebene werden wir die Umsetzung der versprochenen Maßnahmen kritisch begleiten und auf weitere Verbesserungen drängen.

Wir fordern eine konsequente Durchsetzung des gesetzlichen Verbotes zum Anwesenheitszwang. Dies würde zum Beispiel Studierende mit Kind, Studierende mit Beeinträchtigung oder Studierende, die einem Nebenjob nachgehen müssen, entlasten. Insbesondere Problemlagen von Studierenden, die als Erste in ihrer Familie studieren, müssen von allen Institutionen an der Hochschule stärker in den Fokus gerückt werden. Initiativen wie der Verein „Arbeiterkind“ müssen stärker gefördert werden. Nur so können wir eine umfassende Öffnung der Hochschule gewährleisten!

Leider werden immer noch Langzeitstudiengebühren vom Land erhoben. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass diese Gebühren sowie der Verwaltungskostenbeitrag eingestampft werden. Dieser beträgt 75€ pro Semester für die Verwaltung. Diese grundlegende Aufgabe der Universität darf nicht auf die Studierenden umgelegt werden, sondern muss vom Land finanziert werden. Und auch Kostenfaktoren innerhalb von Studiengängen, wie teure Pflichtpraktika, müssen für alle bezahlbar werden und somit allen gleich offenstehen. Wir wollen hin zu einem gebührenfreien Bildungssystem, an dem alle teilhaben können!

Wir unterstützen den Kampf der studentischen Beschäftigten für einen Tarifvertrag und stehen solidarisch an der Seite der Initiative “TV Stud”. Der AStA soll hier ebenfalls weiterhin unterstützen und Ressourcen zur Verfügung stellen. Mit der Teilnahme am Streik des öffentlichen Dienstes konnte ein erster Erfolg errungen werden. Dank der Arbeit von TV Stud in Göttingen und anderen Orten wächst der Druck auf die Länder und die Hochschulen, endlich einen Tarifvertrag mit den studentischen Beschäftigten auszuhandeln! Wir werden dabei weiter unterstützen!

Die Covid-19 Pandemie ist noch immer nicht vorbei, im Gegenteil, die 4. Welle scheint die schlimmste bisher zu sein und durch Omikron und weitere Varianten kann sich die Lange weiterhin verschlechtern. Schon wieder wird ein Großteil der Lehre online stattfinden und auch ein neuer Lockdown droht. Die Erfahrungen der letzten zwei Jahre zeigen: Studierende leiden unter den Maßnahmen: psychisch aber häufig auch finanziell. Wir fordern daher nach dem Ende der Corona-Nothilfe eine dauerhafte Etablierung eines Notfallmechanismus im BAföG. Und auch die Uni Göttingen und unser Studentenwerk müssen alles tun, um ihren Studierenden in dieser schwierigen Zeit zur Seite zu stehen.

Gleichstellung und Diversität

  • FINTA in der Wissenschaft stärken
  • Mehr Unisex Toiletten in allen Gebäuden der Uni
  • Kampf für mehr Akzeptanz für LSBTIQ* Menschen an der Uni
  • digitaler Lageplan weiter finanzieren
  • Kindererziehung als Grund für Nachteilsausgleich
  • Urlaubssemester für Studis mit Kind erleichtern
  • Barrierefreiheit digital und in Präsenz verbessern
Ausführliche Version
Grundlegend für eine soziale und gerechte Hochschule ist für uns der aktive Kampf für Geschlechtergerechtigkeit in einer Gesellschaft, in der Frauen* in vielen Bereichen noch immer benachteiligt werden. So sind an der Universität Göttingen nur ca. 25% der Professuren weiblich besetzt, obwohl der Anteil der Studentinnen und promovierenden Frauen bei ca. 50% liegt. Hier zeigt sich eine erhebliche Diskrepanz, die es zu beseitigen gilt. Wir setzten uns dafür ein, dass Frauen* in der Wissenschaft gestärkt werden. Um dieses Vorhaben weiter zu stärken unterstützen wir die Umbenennung der Universität Göttingen zur “Emmy Noether Universität” und werden dieses weiter voranbringen. Zu Diversität zählt aber auch, die Vielfalt der Geschlechter zu betrachten und sich aktiv für Menschen einzusetzen, die sich nicht in das binäre Geschlechtssystem (männlich-weiblich) und/oder das heteronormative System einordnen können oder wollen. Wir streben auch weiterhin an, die Studierenden mehr für diese Themen zu sensibilisieren und im AStA explizit auch LSBTIQ* (Lesbisch/Schwul/Bisexuell/Trans*/Inter*/Queer) zu vertreten, sowie Gender- und Diversitätsthemen zu behandeln und Studierende über diese zu informieren. Wir setzten uns dafür ein, dass sich auch die Universität mit diesem Thema beschäftigt und wieder eine Trans*- Beratungsstelle finanziert. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass es immer noch ein massiver Aufwand für Studierende ist, ihren Namen zu ändern. Eine Vereinfachung der Namensänderungen wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Ebenfalls versuchen wir ein Klima an der Universität zu schaffen, in dem niemand aufgrund seines* ihres Geschlechts, Aussehens oder sexueller Orientierung diskriminiert oder angegriffen wird. Ein Ausbau der Geschlechtsferien-Toiletten in allen Universitätsgebäuden ist für uns deshalb ein essenzieller Schritt, für den wir uns einsetzten werden.
Sexualisierte Gewalt gegen Frauen* muss bekämpft werden. Noch immer zeigen Studien und Hashtags wie #metoo, dass ungefähr jede zweite Studentin von sexueller Belästigung und/oder sexualisierter Gewalt betroffen ist. Das muss sich ändern! Dabei gilt es, die Gleichstellungsbeauftragten an der Universität zu stärken und Beratungsangebote für Betroffene zu erhalten und auszubauen. Auch ein AStA muss hier mithelfen und durch Beratung und politische Arbeit mitwirken. Zum Thema Gleichstellung gehört für uns auch den finanziellen Aufwand von Menstruationsprodukten mit zu berücksichtigen. Wir setzen uns für kostenlose Ausgaben von Menstruationsartikel an der Universität ein. Weiterhin gehört zu Diversität, Menschen mit Behinderungen genauso mit einzubeziehen wie alle anderen Studierenden auch. Wir wollen die Vertretung für Studierende mit Beeinträchtigung (VfSB) weiterhin unterstützen und Betroffenen dadurch eine Möglichkeit geben, sich selbst in die Hochschulpolitik einzubringen. Dabei ist die Umsetzung von Barrierefreiheit ein elementares Thema, für das wir uns auch weiterhin einsetzen werden. Allerdings stellt Barrierefreiheit nur ein Baustein dar für die Umsetzung von Inklusion an der Uni. Auch die digitale Lehre muss barrierefrei ausgestaltet werden. Dabei gilt es zu beachten, dass in den digitalen Lehrformaten immer mindestens zwei Sinne angesprochen werden. Ein bereits bestehendes Tool zum Erkennen und Überwinden von Hindernissen stellt der Lageplan dar. Dort können fast alle Gebäude der Universität hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit betrachtet werden. Trotz starker Klickzahlen und einer Vielzahl von Personen, die von diesem profitieren ist die längerfristige Finanzierung ungewiss. Wir fordern, dass die Finanzierung des Lageplans langfristig sichergestellt wird, und werden uns in den Hochschulgremien hierfür einsetzen. Die Universität Göttingen ist eine international anerkannte Institution, weshalb viele ausländische Studierende in Göttingen leben und die Stadt bereichern. Wir wollen, dass alle Studierenden gemeinsam lernen, leben und lieben können, ohne Angst vor Vorurteilen und Diskriminierung haben zu müssen. Dazu gilt es, diskriminierende Länderklischees zu überwinden und mehr inklusive Angebote zu schaffen. Wir setzen uns dafür ein, dass ausländische und nicht-weiße Studierenden stärker in der Hochschulpolitik repräsentiert werden, sodass mit ihnen anstatt über sie geredet wird. Daneben setzen wir uns dafür ein, dass Angsträume an der Universität abgebaut werden. Eine weitere Gruppe, die häufig unberücksichtigt bleibt, sind Studierende mit einem oder mehreren Kindern. Dies lässt sich beispielsweise daran erkennen, dass in dem Nachteilsausgleich für Prüfungsleistungen eine Klausel für Studierende mit Kind fehlt. Auch bei der Beantragung für Urlaubssemester werden Studierende mit Kind benachteiligt, da sie dieses nur beantragen können, wenn sie in Elternzeit sind. Wir setzen uns dafür ein, dass diese Benachteiligungen abgebaut werden und fordern ein Urlaubssemester unabhängig vom Alter der Kinder sowie gerechte Nachteilsausgleiche.

Nachhaltigkeit

  • Klimaneutralität bis 2035 vorantreiben
  • Mehr fächerübergreifende Lehrveranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit
  • Mensa nachhaltiger & vegan/vegetarisch gestallten
  • Campus mehr begrünen
Ausführliche Version

In Zeiten der Coronakrise und digitalen Semester, darf man das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz nicht aus den Augen verlieren. Dabei hat unsere Universität erheblichen Nachholbedarf. Wir als Juso-Hochschulgruppe fordern vom Präsidium ein uniweites Nachhaltigkeitskonzept. Dabei soll bei jeder Entscheidung immer der Nachhaltigkeitsaspekt berücksichtigt werden, der maßgeblich Einfluss auf die getroffenen Maßnahmen haben soll. Ein solch ökologischer Grundsatz ist in Anbetracht der Klimakrise unumgänglich und gehört eingeführt!

Doch auch in der Lehre muss sich mehr dem Nachhaltigkeitsaspekt gewidmet werden. So fordern wir, dass die Universität mehr Lehrangebote und Veranstaltungen zum Thema Ökologie und Nachhaltigkeit anbietet. Diese sollen fächerübergreifend belegbar und mit Credits belohnt werden, damit dieses für unsere Welt so wichtige Thema von allen bewusster und aufmerksamer verfolgt wird. Nachhaltigkeit muss für mehr Studiengänge zum Thema gemacht werden! Daran knüpft unser nächsten Ziel an, das Studium Oecologicum wieder einzuführen und ausreichend zu finanzieren. Dieses bot die Möglichkeit fächerübergreifend Seminare aus dem Themengebiet Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Ökologie zu wählen und sich diese als Schlüsselqualifikationen anrechnen zu lassen. Auf diese Weise konnten sich auch fachfremde Studierende auf wissenschaftlicher Ebene mit Klimaschutz befassen. Es ist unverständlich, dass die Universität dieses Programm zu Zeiten der Klimakrise hat auslaufen lassen.

Auch in unseren Mensen soll sich dem Thema Ökologie mit erhöhter Aufmerksamkeit gewidmet werden. So muss versucht werden, noch mehr nachhaltige und vor allem regionale Produkte für die Gerichte zu verwenden, ohne dabei die Preise in die Höhe schnellen zu lassen. Neben der vegetarischen Mensa am Turm, kann hier noch viel erreicht werden. Um diese Transformation zu unterstützen sollte es Ziel werden, dass die Mensen ihr vegetarisches & veganes Angebot noch weiter ausbauen, um auch für uns Studis ein Vorbild zu sein.

Zudem soll dieser Nachhaltigkeitsaspekt auch auf dem Campus zur Geltung kommen. So gibt es auf den Anlagen zwar einige Grünflächen und Bäume, jedoch ist der Großteil von Asphalt, Steinen oder sonstigen Beschichtungen verdeckt. Das muss sich ändern! Der Campus soll grüner und bunter werden. So sollen Blumenbeete und weitere Begrünungsmaßnahmen den Campus aufhellen und so Tiere und Umwelt in der Stadt entlasten.

Kampf gegen Rechts/Antifaschismus

  • Für einen nazifreien Campus und darüber hinaus
  • “Studenten stehen auf” sollen sich wieder hinsetzen
  • Kooperationsverbot mit der AfD nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung
  • Förderung der politischen Bildung und lokaler Akteur:innen
  • Mehr Forschung zu Rechtsextremismus, Polizeigewalt und entsprechenden Strukturen und Ressentiments in Behörden
  • Wiedereinrichtung der Antidiskriminierungsstelle
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Nie wieder Faschismus!
Für uns als Juso-Hochschulgruppe ist klar, dass eine antifaschistische Grundhaltung und Bestrebungen, zur Verteidigung dieser auch zu handeln, eine Selbstverständlichkeit sein sollten.
Die traurige Wahrheit in Bezug auf die Universität, die Stadt Göttingen und auch dieses Land ist jedoch, dass diese klare Haltung nicht nur an vielen Stellen fehlt oder zu kurz kommt, immer wieder wird sie auch kriminalisiert und als etwas dargestellt, das nur Extremist:innen vertreten würden.

Die Konsequenzen zeigen sich dieses Jahr eindrücklich am Aufstieg und der immer deutlicher werdenden Gefahr der sogenannten Querdenker:innen. Bei dieser auch in Göttingen aktiven Bewegung kann man nicht mehr nur von einem Schulterschluss mit Rechtsextremist:innen sprechen. Durch offene Akzeptanz, Übernahme der Positionen und Doppelmitgliedschaften in rechtsextremen Organisationen und Parteien, wie NPD und AfD, haben sich diese Gruppen mittlerweile weit von einem Punkt entfernt, wo Ihnen noch irgendeine Art von Verständnis gebührt, falls das überhaupt jemals der Fall war. Stattdessen gefährden sie durch Wissenschaftsfeindlichkeit, oftmals antisemitische Verschwörungstheorien und nicht zuletzt unsolidarisches Verhalten unser Zusammenleben. Auch die mittlerweile an der Uni Göttingen und anderen Hochschulen in Deutschland aktiven “Studenten stehen auf” zählen dazu und zeigen uns, dass das Problem längst nicht nur vor den Toren des Elfenbeinturms angekommen ist, sondern bereits von innen versucht ihn in Brand zu stecken.

Auch andere altbekannte und neue Nazis in Göttingen und Umgebung haben nicht aufgehört sich über Querdenken hinaus zu organisieren und noch immer bilden Burschenschaften überall in Göttingen durch ihre Werte und Strukturen einen Einstieg in völkisches und rechtes Gedankengut, besonders für jene, die sie mit günstigen Zimmern und dem Versprechen nach Gemeinschaft ködern können.

Wir wollen als Gruppe, aber auch im AStA und allen anderen Gremien von denen wir nach der Wahl eventuell ein Teil sind, konsequent gegen Querdenker:innen, Faschist:innen und auch gegen Burschenschaften vorgehen, öffentlich Stellung beziehen und die Erinnerungskultur an die real existente Geschichte der faschistischen Gewaltherrschaft in Deutschland und ihre Opfer aufrechterhalten.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit darf an der Universität und darüber hinaus nicht geduldet werden!
Ein wichtiges Mittel ist hier vor allem die politische Bildung der Studierenden, die wir finanziell fördern möchten und in deren Rahmen wir, z.B. organisiert durch ein PolBil Referat im AStA, Veranstaltungen ermöglichen wollen. Hierzu zählen u.A. Gedenkstättenfahrten, Workshops oder Vorträge.
Außerdem wollen wir uns im kommenden Jahr dafür einsetzen, dass der Senat Möglichkeiten für ein Kooperationsverbot mit der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung prüft, sodass nach Möglichkeit künftig keine Forschung an der Universität durch diese gefördert werden darf und auch keinerlei Zusammenarbeit im Bereich von Stipendien erfolgt.
Wir wollen auch die antifaschistische Tätigkeit bereits etablierter Akteur:innen in Göttingen unterstützen, die schon in der Vergangenheit wichtige Arbeit im Bereich der Recherche, Bildung, und direkten Aktion geleistet haben und über ihre Veranstaltungen informieren.
Wann immer möglich streben wir die Zusammenarbeit in breiten Bündnissen an, die verschiedene Gruppen auf und jenseits vom Campus einbeziehen.
Hierbei befürworten wir neben den anderen genannten Teilen antifaschistischer Arbeit auch explizit Demonstrationen, Blockaden und andere Formen zivilen Ungehorsams, um Faschist:innen das Handwerk zu legen und angesichts ihrer Aufmärsche Präsenz zu zeigen. Dabei auftretende Polizeigewalt durch staatliche Ordnungskräfte muss ebenso dokumentiert und publik gemacht werden, wie Gewalttaten von Rechtsextremist:innen selbst, damit antifaschistisches Engagement möglich bleibt.
Auch die universitäre Forschung zu diesem Bereich und rechtsextremen Strukturen und Einstellungen innerhalb von Polizei, LKA, BKA und Landes- sowie Bundesverfassungsschutz soll stärker gefördert werden, inklusive politisch verordneter Kooperation dieser Behörden.
Zudem soll auch den Opfern von Diskriminierung an der Uni Göttingen wieder richtig geholfen werden.
Durch die Streichung der Antidiskriminierungsstelle hat das Präsidium gezeigt, dass es die Problematik und ihren Stellenwert nicht verstanden hat. Wir fordern eine erneute, dauerhafte und auskömmliche Ausschreibung dieser Stelle. Sie hat in der Vergangenheit vielen Menschen helfen können, das Ausmaß von Diskriminierung dokumentiert und bei wichtigen Entscheidungen beraten.
Das Präsidium und die Dekanate der Fakultäten müssen Farbe bekennen in Wort und Tat. Andernfalls ist davon auszugehen, dass die Uni Göttingen zumindest auf der Leitungsebene nicht in der Lage ist, sich gegen jene zu wehren, welche die die Grundlage der Universität als Ort des freien Lernens und Forschens zerstören wollen.

Internationales

  • Auslandssemester für alle
  • Durchmischung und Austausch fördern
  • internationale Kooperationen stärken
  • Erasmus+ ausbauen
  • Nicht-EU Studierende fördern
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Als Juso-Hochschulgruppe verstehen wir uns als ein Teil einer internationalen Gemeinschaft, denn Rassismus, digitale Entwicklungen und der Klimawandel machen keine halt vor nationalen Grenzen. Deswegen sehen wir es als unsere Aufgabe an, gemeinsam auf internationaler Ebene an Lösungen zu arbeiten und solidarisch mit denen zu sein, die durch diese Entwicklungen besonders betroffen sind. Gerade der Forschung kommt dabei eine wichtige Rolle zu, Lösungen für internationale Herausforderungen zu finden. Während der Pandemie förderte der Austausch der internationalen Wissensgemeinschaft die Bekämpfung der Pandemie. Doch nicht nur in medizinischen, sondern in allen Fächern ist länderübergreifender Austausch elementar. Deswegen setzen wir uns dafür ein, internationale Verbindungen und Vernetzungen in der Wissenschaft weiter voranzubringen. Auf europäischer Ebene müssen die bestehenden Kooperationen weiter ausgebaut werden, um mehr Möglichkeiten für internationale Forschung und Lehre zu schaffen. Dazu muss das Erasmus+ Programm weiter ausgebaut werden und das Platzkontingent zunehmen. Zudem fordern wir, dass die bereits unter Bologna angekündigte stärkere Vergleichbarkeit der Abschlüsse endlich umgesetzt wird, denn ein Auslandssemester oder Studium darf nicht zum Nachteil der Studierenden werden.

Gerade während der Pandemie fand kaum Austausch und Durchmischung zwischen internationalen und nationalen Studierenden statt. Der Austausch kam nur sporadisch zu Stande. Hier gilt es Programme und Angebote auch fest in das Studium zu integrieren, damit die Auseinandersetzung miteinander gestärkt und gefestigt wird. Doch sich wirklich mit anderen Lebenswelten und -realitäten auseinandersetzten zu können und die für die Wissenschaft so wichtige Offenheit zu erfahren sind auch Auslandssemester wichtig. Sie fördern die individuelle Entwicklung und bereichert das Studium um eine schöne Zeit. Dies soll für alle Studierenden als Teil ihres Studiums ermöglicht werden, sofern sie es sich wünschen. Denn ein Auslandsstudium ist für die fachliche als auch individuelle Entwicklung förderlich.

Wir sehen somit auch eine vertiefte Zusammenarbeit in der Wissenschaft auch abseits der EU für dringend notwendig. Dabei gilt es den Eurozentrismus kritisch zu hinterfragen und postkoloniale Kontinuitäten aufzudecken. Antirassismus muss auch in der internationalen Wissenschaft vorangetrieben werden. Hindernisse für Nicht-Weiße studierende müssen abgebaut werden. Wir sind gegen diskriminierende Studiengebühren für Nicht-EU-Studierende und setzen uns für mehr Förderprogramme ein. Gerade in Zeiten einer Pandemie gilt es, internationale Studierende stärker zu unterstützen und ihnen eine unbefristete Bleibeperspektive zu geben. Hier muss die Universität auch Unterstützungsangebote ausweiten und fördern.

Hochschuldemokratie

  • Studentische Beteiligung stärken
  • studentischen Vizepräsidenten einführen
  • Gremien und ihre Arbeit transparenter machen
  • regelmäßige Befragung des Präsidenten durch das Studierendenparlament
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Nach dem niedersächsischen Hochschulgesetz sollen die Universitäten Studierende dazu befähigen, aktiv in einer demokratischen Gesellschaft mitzuwirken. Den Universitäten wird dazu einerseits die Möglichkeit gegeben, eigenständig Ordnungen festzulegen, andererseits sollen dabei die ProfessorInnen in den Gremien immer über die Mehrheit an Stimmen verfügen. Ein grotesker Widerspruch, wie wir finden, denn durch die professorale Mehrheit wird ein demokratischer Diskurs auf Augenhöhe verhindert. In den Gremien der akademischen Selbstverwaltung an der Universität Göttingen sitzen zumeist zwei Personen aus dem akademischen Mittelbau, zwei Personen aus der Verwaltung und zwei Studierenden der Mehrheit von sieben ProfessorInnen gegenüber. Nicht einmal in der Senatskommission für Studium und Lehre, die quasi exklusiv den Bereich der Studierenden behandelt, gibt es eine paritätische Verteilung der Sitze. So kommt es dazu, dass bei großen Entscheidungen die Sichtweisen der Studierenden nur unzureichend repräsentiert werden, obwohl oft direkt über ihre Interessen verhandelt wird. Bei manchen Entscheidungen scheint es sogar der Fall zu sein, das die ProfessorInnen sich im Vorhinein bereits abgesprochen und festgelegt haben und in den offiziellen Sitzungen nur noch formell über die Beschlüsse abstimmen. Eine gleichwertige demokratische Einbindung der Studierende ist für uns nicht zu sehen.
Für uns steht fest: Studierende müssen besser in die zentralen Gremien der Universität eingebunden werden! Deshalb gehört die professorale Mehrheit abgeschafft. Die Zusammensetzung der Gremien muss um weitere Studierende ergänzt werden, um die demokratische Beteiligung der an der akademischen Selbstverwaltung sicherzustellen. Dies gilt auch für die Leitungsebene der Universität. Auch im Präsidium der Universität ist es notwendig, Studis stärker einzubinden. Einen professoralen Vizepräsidenten, der sich mit Studium und Lehre befasst und ohne studentische Beteiligung Beschlüsse fällt finden wir nicht zeitgemäß. Deswegen braucht es einen studentischen Vizepräsidenten, damit nicht über, sondern mit den Studierenden auf Augenhöhe gesprochen wird.
Doch der Prozess der Einbindung endet für uns nicht bei der Gremienzusammensetzung. Die Arbeit der Gremien muss insgesamt inklusiver und transparenter gestaltet werden. Beschlüsse über die Zukunft unserer Universität sollen nicht im Hintergrundgesprächen im stillen Kämmerlein getroffen werden. Wir Studierenden und die Mitarbeitenden haben ein Anrecht darauf, nicht aus der Zeitung zu erfahren, dass Stellen in Zukunft nicht mehr eingeplant werden oder wenn Seminare geschlossen werden sollen. Wir sind der Meinung, dass Interessengruppen eingebunden werden müssen, bevor Entscheidungen getroffen werden. Zudem müssen Beschlüsse besser kommuniziert werden und die Hintergründe der Entscheidungen genau erläutert werden. Wir wollen als Studierende besser über Entscheidungen auf Uni-Ebene informiert werden. Wir wollen, dass das Präsidium die Tipps, aber auch die Sorgen und Ängste der Studierenden ernst nimmt. Wir wollen Kommunikation auf Augenhöhe und keine Entscheidungen im stillen Kämmerlein. Und deshalb wollen wir den Präsidenten der Universität Göttingen regelmäßig ins Studierendenparlament einladen und als Verhandlungsgruppe auf Augenhöhe wahrgenommen werden.

Warum wir wieder in den AStA wollen:

Nicht jede positiv Veränderung an der Universität muss durch den AStA geschehen, doch für uns ist er mit das wichtigste Gremium zur Umsetzung unserer Ziele. Deshalb ist es auch dieses Jahr wieder unser Ziel, uns am allgemeinen Studierendenausschuss zu beteiligen. Hierfür wollen wir ein möglichst großer Teil einer progressiven Mehrheit im Studierendenparlament sein. Letztes Jahr gelang es den linken Gruppen durch einen starken Wahlkampf und das Ansprechen der Themen, die die Studierenden wirklich bewegen, eine Koalition für den AStA bilden zu können. Für uns ist klar, dass ein Programm, das alle Bereiche abdeckt, auch in allen Bereichen umgesetzt gehört!

Die Selbstbeschränkung auf Service, wie sie andere rechte oder “unpolitische” Gruppen sich auferlegt haben, rührt schlicht in einem Mangel an Kreativität und gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein. Ein AStA der für seine Studierenden arbeitet, ist für uns eine Selbstverständlichkeit!

Wenn ihr einen AStA haben wollt, der für euch kämpft, der ein allgemeinpolitisches Mandat wahrnimmt und Angebote für eine kritische Studierendenschaft bereitstellt, dann gebt eure Stimme der Juso-Hochschulgruppe.