Liebe Wähler*innen,

vor euch seht ihr unser Wahlprogramm zu den Hochschulwahlen 2021. Als Juso-Hochschulgruppe Göttingen treten wir auch in diesem Jahr auf allen Ebenen der studentischen und akademischen Selbstverwaltung an, um eure Interessen an der Universität zu vertreten. Unser Anspruch dabei ist es, aktive, progressive und emanzipatorische Hochschulpolitik umzusetzen, damit das Studium und das Zusammenleben in Göttingen besser werden.

Das vergangene Jahr war geprägt von den Umbrüchen, Unsicherheiten und Neuerungen, welche die Covid-19-Pandemie mit sich gebracht haben. Wir haben uns für euch im AStA und den Gremien der akademischen Selbstverwaltung eingesetzt und dafür gesorgt, dass eure Interessen bei den Corona-Maßnahmen in ausreichendem Interesse gewürdigt wurden.

Als feministische, sozialistische, internationalistische und antifaschistische Organisation orientieren wir uns dabei an Idealen wie sozialer Gerechtigkeit, Solidarität und Demokratie. Mit unserer engagierten Arbeit in den verschiedenen Gremien innerhalb und außerhalb der Universität stehen wir für unsere Ideen und Idealen und die Interessen der Studierendenschaft ein. Wir wollen Euch gut nach Außen gegenüber dem Studierendenwerk, der Stadt Göttingen, dem Land Niedersachsen und auf Bundesebene vertreten und aktiv Verbesserungen, z.B. im Studium, der Wohnraumsituation oder der Studienfinanzierung, erreichen. Mit unserer Arbeit im AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss) im letzten Jahr konnten wir dies bereits unter Beweis stellen. Dieser Arbeit wollen wir und wieder widmen und Verbesserungen für die Studierendenschaft erkämpfen.

Hochschulpolitik bedeutet für uns immer auch Gesellschaftspolitik, da die Universität auch eng verwoben mit dieser ist. Deswegen sehen wir die Aufgaben des AStAs auch in der allgemeinpolitischen Positionierung zu Themen wie dem Kampf gegen rechtes Gedankengut oder anderen Diskriminierungsformen. Wir setzen uns aktiv gegen Rassismus, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit, Antisemitismus und Ableismus sowie für eine freie Gesellschaft ein – gerade in Zeiten einer AfD im Bundestag und im niedersächsischen Landtag ist dies dringend nötig. Daher bringen wir uns beispielsweise im Göttinger Bündnis gegen Rechts ein, sind mit anderen Initiativen vernetzt und stellen uns rechtem Gedankengut auch auf der Straße in den Weg. Durch das allgemeinpolitische Mandat sehen wir uns in der Pflicht, Veranstaltungen zur politischen und kulturellen Bildung anzubieten, die das im Studium vermittelte Fachwissen ergänzen. Dies konnten wir im letzten Jahr im AStA bereits umsetzen und wir werden uns auch weiterhin für ein umfangreichess, diverses Veranstaltungsprogramm einsetzen.

Zu guter Arbeit im AStA gehören natürlich auch die Verhandlungen eines guten Bahn-, Bus- und Kulturtickets, sowie eine kompetente Beratung zu allen Bereichen des Studiums, wie Finanzfragen, Rechtsfragen oder weiteren Belangen der Studierenden.

In der Corona-Ausnahmesituation wurde die Unterfinanzierung der Universität und insbesondere der Lehre besonders sichtbar. Statt auf Spitzenprojekte wie die Exzellenzinitiative zu setzen muss die Universität endlich Geld und Engagement in die Verbesserung der Studienbedingungen investieren. Um dies sicherzustellen, wollen wir uns für eine*n studentischen Vizepräsident:in einsetzen, damit die Belange der Studierenden auch in der Universitätsleitung beachtet werden.

In den folgenden Abschnitten wollen wir ausführlich unsere Ideen für eine besser Universität und unsere Arbeit vorstellen.

Gute Lehre, Gutes Studium

  • Bessere finanzielle Sicherung einer guten, marktungebundenen Lehre (Beispeil ZESS)
  • Erhalt von Beratungsangeboten für Studierende wie die PSB
  • Anonymisierung Individualisierung von Prüfungsleistungen
  • Anwesenheitspflicht konsequent abschaffen
Ausführliche Version
Wir sprechen uns besonders in den digitalen Corona-Semestern für ein kritisches und selbstbestimmtes Studium aus. In den letzten Jahren haben sich Bund und Länder zunehmend auf die Einwerbung von Drittmitteln durch die Hochschulen zur zusätzlichen Finanzierung verlassen. Damit sind diejenigen, die sich für gute Bildung und Forschung verbürgten, ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden. Dies wird nun mit Corona noch stärker sichtbar und die Last wird unverhältnismäßig auf die Studierenden abgeladen. Bund und Länder müssen wieder stärker in die Pflicht genommen werden, damit die Lehre nicht darunter leiden muss. Bildung ist ein hohes Gut und darf niemals nur der möglichst schnellen Bereitstellung von Arbeitskräften für den Arbeitsmarkt dienen! Eine flächendeckende Hochschulfinanzierung mit breitem Bildungsangebot zu etablieren, muss künftig gewährleistet werden, um eine „Zwei-Klassen-Bildung“ zu verhindern.(Möglich: Eine bessere Finanzierung durch die Änderung im Art. 104c GG würde eine von Drittmitteln unabhängige Wissenschaft fördern.) Den föderalen Flickenteppich in seiner jetzigen Konstitution lehnen wir ab und fordern eine einheitliche Konzeption sowie ein endgültiges Ende des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern in Bildungsangelegenheiten. Über die Juso-Hochschulgruppen auf Bundesebene konnten wir diese Forderung tatsächlich über die SPD in die Bundespolitik bringen und streben dort weiter aktiv für Verbesserungen. Für uns ist sicher, dass wir nicht lockerlassen werden und den Kampf weiterführen! Wir stellen uns gegen die Ökonomisierung der Hochschulen und die Ausrichtung auf die Verwertbarkeit von Bildung!Insgesamt gilt: Die Juso-Hochschulgruppe Göttingen fordert eine von der Wirtschaft und finanziellen Eigenleistungen unabhängige Hochschule. Bildung als Investition in die Zukunft darf nicht privatisiert, ökonomisiert und durch Konkurrenzdenken bestimmt werden! Gerade in den digitalen Semestern mit Isolation ist die psychische Gesundheit aller Studierenden eine Grundvoraussetzung für ein gutes Studium. Wichtig dafür ist die Psychosoziale Beratung (PSB), welche neben Beratung auch Kurse zur Entspannung und stressfreieren Studium anbietet und so Studierenden im Alltag helfen kann. Wir fordern eine Ausfinanzierung und Stärkung solcher Einrichtungen! Um Belastungen zu reduzieren, ist das Anbieten mehrerer Prüfungstermine, flexible Prüfungsformen sowie eine konsequente Anonymisierung der Prüfungen ein zentraler Bestandteil unserer Forderungen. Ebenso muss das Teilzeitstudium verbessert und ausgebaut werden, um Studierende, insbesondere mit Kindern, zu entlasten. Die Universität muss sich besser an ein digitales Semester anpassen. Um ein coronasicheres Studium gewährleisten zu können muss mehr Literatur digitalisert und gekauft werden. So können Studierende in der Risikogruppe oder Studierende, die Kontakt mit Personen aus der Risikogruppe haben, auch angemessen studieren. Bei der Prüfungsanmeldung über FlexNow soll eine kurzfristige An- und Abmeldung unbürokratisch möglich sein. Wichtig ist auch eine einheitliche Regelung für die gesamte Universität. Hier befürworten wir das Konzept, welches an der sozialwissenschaftlichen Fakultät umgesetzt wurde und eine Frist von 24 Stunden für die An- und Abmeldung von Prüfungen jeder Art vorsieht. Studierende sind erwachsene Menschen und sollten auch so behandelt werden. Leider nutzten viele Dozierende einen Gesetzespassus, um sich gegen die gesetzliche Abschaffung der Anwesenheitspflicht zu sperren. Wir sprechen uns gegen die Verschulung des Studiums und für eine konsequente Ablehnung einer Anwesenheitspflicht aus. Seminare sollten aufgrund von Interesse und guter Lehre gefüllt sein – nicht aus Zwang. Gute Lehre muss einerseits durch didaktische Fortbildungen für Lehrende gewährleistet werden, andererseits durch gute Arbeitsbedingungen für die Angestellten. Die digitale Lehre ist für die Meisten neu, jedoch sollten Dozierende offen für neue Lehrmöglichkeiten sein. Die neuen “verkappten” Anwesenheitspflichten im digitalen Semester, bei denen Dozierende verpflichten möchten, dass Studierende ihre Kameras anzustellen haben, sind für uns untragbar und auch schlicht illegitim. Für uns geht der Kampf gegen die allgemeine Anwesenheitspflicht weiter! An der philosophischen Fakultät zum Beispiel gelten Anwesenheitspflichten bis heute. Das werden wir ändern! Auch ohne eine neue, große Studienreform kann das Studium verbessert werden, so sind ander Sozialwissenschaftlichen Fakultät z.B. die Anwesenheitspflichten bereits abgeschafft und somit die Bevormundung von Studierenden seitens der Universität eingeschränkt. Weiterhin sollen studentische Interessen in Lehrveranstaltungen respektiert und eingebunden werden. Lehrende und Lernende sollen auf einer Ebene agieren und möglichst hierarchiefrei miteinander arbeiten. Interdisziplinarität soll in Studiengängen ermöglicht werden, damit Studierenden die Chance gegeben wird, über den Tellerrand des eigenen Faches hinaus zu blicken und ihren Horizont zu erweitern. Hier können alle Fakultäten von dem vorhandenen Wissen an anderen Fakultäten profitieren und so Studieninhalte und Forschung verbessern. Wir fordern die bessere Zusammenarbeit der Fakultäten und die Suche nach weiteren Möglichkeiten der Kooperation, wie z.B. gemeinsame Seminare oder Vorlesungsreihen. Zusatzqualifikationen und Schlüsselkompetenzen ermöglichen es Studierenden, das fachgebundene Büffeln zu verlassen und berufsfeldnahe oder praktische Studienbestandteile zu absolvieren. Egal ob Sprachkurse, Sachkompetenzen oder Rhetorik – bei Angeboten wie der Zentralen Einrichtung für Schlüsselqualifikationen (ZESS) können Studierende ihr Studium individuell ergänzen. Dieses Angebot wird jedoch aufgrund von Sparmaßnahmen drastisch gekürzt. Solche zusätzlichen Angebote gilt es zu erhalten und endlich langfristig auszufinanzieren, damit Kurse nicht eingespart werden müssen. Das gilt auch noch für andere Bereiche innerhalb der Lehre. Tutorien, an denen ebenfalls gespart wird, müssem weiterhin gefördert und gesichert werden, da diese eine gute Prüfungsvorbereitung bieten und die Qualität der Lehre steigern. Weiterhin sind die Wahl- und Kombinationsmöglichkeiten innerhalb der Studienfächer wichtig für ein selbstbestimmtes Studium. Dies gilt es für die gesamte Universität umzusetzen, damit das Studium nicht zu einer verlängerten Schulzeit verkommt. An der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät hat man durch Streichcredits und die Wiederholbarkeit von Prüfungen die Möglichkeit, seine Noten zu verbessern, wenn man in der Prüfung zum Beispiel einen Black-Out oder durch einen Nebenjob einfach zu wenig Zeit zum Lernen hatte. Solche Angebote müssen gerade in Zeiten von Corona universitätsweit ausgebaut werden. Weiterhin kann durch die Erweiterung der Prüfungsarten auf individuelle Stärken von Studierenden eingegangen werden. Kann sich eine Person besser mündlich ausdrücken, würde eine mündliche Prüfung statt einer Klausur die Leistungsfähigkeit besser abbilden. Auch eine Hausarbeit sollte durch verschiedene andere schriftliche Leistungen ersetzt werden können, die einen äquivalenten Arbeitsaufwand haben. Darüber hinaus gibt es auch innerhalb der Prüfungen aufgrund von Namen oder Merkmalen bei den Matrikelnummern strukturelle Diskriminierung. Wir fordern eine flächendeckende Pseudonymisierung von Prüfungen. Dies erhöht die Chancengleichheit aller Studierenden und vermindert schlechtere Bewertungen, aufgrund individueller oder struktureller Abneigung.

Soziale Uni

  • unbürokratische und ausreichende Corona-Hilfen für Studierende
  • alters- und elternunabhängiges BAföG
  • mehr bezahlbarer Wohnraum
  • Finanzierung der Studierendenwerke sicherstellen
  • Abschaffung aller Studiengebühren (Verwaltungskostenbeitrag etc.)
  • Tarifvertrag für studentische Beschäftigte
Ausführliche Version
Wir kämpfen als Hochschulgruppe aktiv für soziale Gerechtigkeit. Dies bedeutet, dass wir für alle Menschen Hürden an der Hochschule abbauen wollen. Vor allem für diejenigen, die durch ihre Lebenssituation sowieso schon stärker belastet sind. Dazu gehören Studierende mit Kind genauso wie Studierende, die ihr Studium durch einen Nebenjob finanzieren müssen oder auch andere Gruppen von Studierenden, zum Beispiel solche, die Angehörige pflegen. Auch richtet sich da unserer Blick auf die geflüchtete Studierenden, denen ein regulärer und unbürokratischer Hochschulzugang ermöglicht werden muss. Zu einem guten Studium in Göttingen gehört auch bezahlbarer, studentischer Wohnraum. Seit mehreren Jahrzehnten verschärft sich der Wohnraummangel in der Stadt Göttingen immer weiter. Wir fordern daher die bessere Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis, aber auch eine umfassendere Unterstützung des Studierendenwerks durch Mittel aus dem Landeshaushalt. Mieten dürfen für die Studierenden nicht immer mehr steigen. Hier muss der soziale Wohnungsbau für alle stärker gefördert werden. Studierende, Geflüchtete und Menschen mit keinem oder geringem Einkommen dürfen auf dem Wohnungsmarkt nicht gegeneinander ausgespielt werden! Vielfältiger Wohnraum ist wichtig für uns: Alle Wohnformen müssen vom Studierendenwerk weiterhin gefördert werden! Die Fokussierung auf Einzelappartement mit Nasszelle und Kochnische darf nicht unser Ziel sein. Hier gilt es auch eine Diversität zu erhalten. Wir wollen weiterhin, dass das Essen in der Mensa für alle Studierenden bezahlbar bleibt. Preissteigerungen wie die Kaffee-Preiserhöhungen der letzten Jahre dürfen nicht zur jährlichen Gewohnheit werden. Insgesamt muss das Studierendenwerk als starke Service-Einrichtung für uns Studierende finanziell besser vom Land ausgestattet werden, damit es seinem Auftrag gerecht werden kann, die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Belange der Studierenden zu verbessern. Es kann nicht sein, dass die Beiträge der Studierenden für das Studentenwerk immer stärker steigen, das Land aber seit Jahren relativ weniger Geld zahlt. Das muss sich ändern! Gerade auch in der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig starke Studierendenwerke sind. So hat das Göttinger Studentenwerk im Rahmen seiner Möglichkeiten finanzielle Mittel bereit gestellt und seinen Mensabetrieb so schnell es ging unter Hygienemaßnahmen wieder aufgenommen. Die dadurch entstandenen finanziellen Nachteile müssen auf jeden Fall durch das Land ausgeglichen werden! Wir kämpfen für ein alters- und elternunabhängiges BAföG, dessen Sätze regelmäßig und automatisch an die finanzielle Lebensrealität der Studierenden angepasst werden. Hier gilt es die Unahängigkeit der Studierenden zu erhöhen. Die kleinen „BAföG-Reförmchen“ gehen uns nicht weit genug! Langfristig ist das BAföG wieder als Vollzuschuss vom Bund zur Verfügung zu stellen und wir streben eine deutliche Erweiterung des Berechtigtenkreises durch eine Anhebung der Freibeträge an. Damit BAföG-berechtigte Studierende dies auch annehmen, muss außerdem eine transparentere, breitere und verständlichere Beratung zu BAföG erfolgen und ein digitaler Antrag möglich sein. Wir fordern eine konsequente Durchsetzung des gesetzlichen Verbotes zum Anwesenheitszwang. Dies würde zum Beispiel Studierende mit Kind, Studierende mit Beeinträchtigung oder Studierende, die einem Nebenjob nachgehen müssen, entlasten. Insbesondere Problemlagen von Studierenden, die als Erste in ihrer Familie studieren, müssen von allen Institutionen an der Hochschule stärker in den Fokus gerückt werden. Initiativen wie der Verein „Arbeiterkind“ müssen stärker gefördert werden. Nur so können wir eine umfassende Öffnung der Hochschule gewährleisten! Leider werden immer noch Langzeitstudiengebühren vom Land erhoben. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass diese Gebühren, sowie der Verwaltungskostenbeitrag, eingestampft werden. Dieser beträgt 75€ pro Semester für die Verwaltung. Diese grundlegende Aufgabe der Universität darf nicht auf die Studierenden umgelegt werden, sondern muss vom Land finanziert werden. Und auch Kostenfaktoren innerhalb von Studiengängen, wie teure Pflichtpraktika, müssen für alle bezahlbar werden und somit allen gleih offen stehen. Wir wollen hin zu einem gebührenfreien Bildungssystem, an dem alle teilhaben können! Seit 2015 gibt es den gesetzlichen Mindestlohn. Dieser gilt natürlich auch für Studierende, ob am Lehrstuhl, im Bistro, der Bibliothek oder am Fließband in der Mensa. Das muss ausnahmslos gelten, für alle geleistete Arbeitszeit! Außerdem fordern wir eine regelmäßige Anpassung des Mindestlohns sowie einen für studentische Mitarbeiter*innen an Hochschulen geltenden Tarifvertrag. Auch der wissenschaftliche Nachwuchs muss gefördert und nicht geschröpft werden. So arbeiten wissenschaftliche Hilfskräfte und Lehrbeauftragte der Universität oft in höchst prekären Arbeitsverhältnissen, mit Arbeitsverträgen, die nur wenige Monate Sicherheit geben, und mit einer Vergütung, von der alleine nicht gelebt werden kann. Für eine soziale und gerechte Hochschule mit guter Lehre muss sich das ändern. Hier muss ein allumfassender Tarifvertrag für studentische Beschäftigte eingeführt und umgesetzt werden! Durch die Einschränkungen im Zuge der Pandemiebekämpfung kam es auch zu vielen Problemen für Studierende. Viele haben ihren Nebenjob und damit einen wichtigen Teil ihrer Studienfinanzierung verloren. Bundesweit haben sich die Studierenden mit über einer Milliarde Euro verschuldet und müssen diese mit hohen Zinsen in ZUkunft zurückzahlen. Das darf nicht sein! Die sogenannten Überbrückungshilfen des Bundes und der anscheinend zinsfreie KfW-Kredit sind nicht ausreichend. Wir fordern nach wie vor eine vorübergehende Öffnung des BAföG, um die Pandemiefolgen für Studierende abzumildern.

Gleichstellung und Diversität

  • Frauen* in der Wissenschaft stärken
  • “Emmy Noether Uni” vorantreiben
  • Mehr Unisex Toiletten in allen Gebäuden der Uni
  • Kampf für mehr Akzeptanz für LSBTIQ* Menschen an der Uni
  • digitaler Lageplan weiter finanzieren
  • Kindererziehung als Grund für Nachteilsausgleich
  • Urlaubssemester für Studis mit Kind erleichtern
  • Barrierefreiheit digital und in Präsenz verbessern und vorantreiben
Ausführliche Version
Grundlegend für eine soziale und gerechte Hochschule ist für uns der aktive Kampf für Geschlechtergerechtigkeit in einer Gesellschaft, in der Frauen* in vielen Bereichen noch immer benachteiligt werden. So sind an der Universität Göttingen nur ca. 25% der Professuren weiblich besetzt, obwohl der Anteil der Studentinnen und promovierenden Frauen bei ca. 50% liegt. Hier zeigt sich eine erhebliche Diskrepanz, die es zu beseitigen gilt. Wir setzten uns dafür ein, dass Frauen* in der Wissenschaft gestärkt werden. Um dieses Vorhaben weiter zu stärken unterstützen wir die Umbenennung der Universität Göttingen zur “Emmy Noether Universität” und werden dieses weiter voranbringen. Zu Diversität zählt aber auch, die Vielfalt der Geschlechter zu betrachten und sich aktiv für Menschen einzusetzen, die sich nicht in das binäre Geschlechtssystem (männlich-weiblich) und/oder das heteronormative System einordnen können oder wollen. Wir streben auch weiterhin an, die Studierenden mehr für diese Themen zu sensibilisieren und im AStA explizit auch LSBTIQ* (Lesbisch/Schwul/Bisexuell/Trans*/Inter*/Queer) zu vertreten, sowie Gender- und Diversitätsthemen zu behandeln und Studierende über diese zu informieren. Wir setzten uns dafür ein, dass sich auch die Universität mit diesem Thema beschäftigt und wieder eine Trans*- Beratungsstelle finanziert. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass es immer noch ein massiver Aufwand für Studierende ist, ihren Namen zu ändern. Eine Vereinfachung der Namensänderungen wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Ebenfalls versuchen wir ein Klima an der Universität zu schaffen, in dem niemand aufgrund seines* ihres Geschlechts, Aussehens oder sexueller Orientierung diskriminiert oder angegriffen wird. Ein Ausbau der Geschlechtsferien-Toiletten in allen Universitätsgebäuden ist für uns deshalb ein essenzieller Schritt, für den wir uns einsetzten werden. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen* muss bekämpft werden. Noch immer zeigen Studien und Hashtags wie #metoo, dass ungefähr jede zweite Studentin von sexueller Belästigung und/oder sexualisierter Gewalt betroffen ist. Das muss sich ändern! Dabei gilt es, die Gleichstellungsbeauftragten an der Universität zu stärken und Beratungsangebote für Betroffene zu erhalten und auszubauen. Auch ein AStA muss hier mithelfen und durch Beratung und politische Arbeit mitwirken Weiterhin gehört zu Diversität, Menschen mit Behinderungen genauso mit einzubeziehen wie alle anderen Studierenden auch. Wir wollen die Vertretung für Studierende mit Beeinträchtigung (VfSB) weiterhin unterstützen und Betroffenen dadurch eine Möglichkeit geben, sich selbst in die Hochschulpolitik einzubringen. Dabei ist die Umsetzung von Barrierefreiheit ein elementares Thema, für das wir uns auch weiterhin einsetzen werden. Allerdings stellt Barrierefreiheit nur ein Baustein dar für die Umsetzung von Inklusion an der Uni. Auch die digitale Lehre muss barrierefrei ausgestaltet werden. Dabei gilt es zu beachten, dass in den digitalen Lehrformaten immer mindestens zwei Sinne angesprochen werden. Ein bereits bestehendes Tool zum Erkennnen und Überwinden von Hindernissen stellt der Lageplan dar. Dort können fast alle Gebäude der Universität hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit betrachtet werden. Tortz starker Klickzahlen und einer Vielzahl von Personen, die von diesem profitieren ist die Finanzierung ungewiss. Wir fordern, dass die Finanzierung des Lageplans langfristig sichergestellt wird und werden uns in den Hochschulgremine dafür einsetzen. Die Universität Göttingen ist eine international anerkannte Institution, weshalb viele ausländische Studierende in Göttingen leben und die Stadt bereichern. Wir wollen, dass alle Studierenden gemeinsam lernen,leben und lieben können, ohne Angst vor Vorurteilen und Diskriminierung haben zu müssen. Dazu gilt es, diskriminierende Länderklischees zu überwinden und mehr inklusive Angebote zu schaffen. Wir setzen uns dafür ein, dass ausländische und nicht-weiße Studierenden stärker in der Hochschulpolitk repräsenterit werden, sodass mit ihnen geredet wird, anstatt über sie zu reden. Eine andere Gruppe die häufig vergessen wird, sind Studierende mit einem oder mehreren Kindern. Dies lässt sich beispielsweise daran erkennen, dass in dem Nachteilsausgleich für Prüfungsleistungen eine Klausel für Studierende mit Kind fehlt. Auch bei der Beantragung für Urlaubssemster werden Studierende mit Kind benachteiligt, da sie dieses nur beantragen können, wenn sie in Elternzeit sind. Wir setzen uns dafür ein, dass diese Benachteiligungen abgebaut werden und fordern ein Urlaubssemster unabhängig vom Alter der Kinder sowie gerechte Nachteilsausgleiche.

Nachhaltigkeit

  • Uniweites Nachhaltigkeitskonzept einführen
  • Campus mehr Begrünen
  • Mehr fächerübergreifende Lehrveranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit
  • Mensa nachhaltiger gestallten
Ausführliche Version
In Zeiten der Coronakrise und diesem digitalen Semester darf man das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz nicht aus den Augen verlieren. Dabei hat unserer Universität erheblichen Nachholbedarf. Wir als Juso-Hochschulgruppe fordern vom Präsidium ein uniweites Nachhaltigkeitskonzept. Dabei sollen auch bei jeder Entscheidung immer der Nachhaltigkeitsaspekt berücksichtigt werden, der maßgeblich Einfluss auf die getroffenen Maßnahmen haben soll. Ein solch ökologischer Grundsatz [alternativ: Maxime] ist in Anbetracht der Klimakrise unumgänglich und gehört eingeführt! Zudem soll dieser Nachhaltigkeitsaspekt auch auf dem Campus zur Geltung kommen. So gibt es auf den Anlagen zwar einige Grünflächen und Bäume, jedoch ist der Großteil von Asphalt, Steinen oder sonstigen Beschichtungen verdeckt. Dass muss sich ändern! Der Campus soll grüner und bunter werden. So sollen Blumenbeete und weitere Begrünungsmaßnahmen den Campus aufhellen und so Tiere und Umwelt in der Stadt entlasten. Doch auch in der Lehre muss sich mehr dem Nachhaltigkeitsaspekt gewidmet werden. So fordern wir, dass die Universität mehr Lehrangebote und Veranstaltungen zum Thema Ökologie und Nachhaltigkeit anbietet. Diese sollen dann fächerübergreifend belegbar und mit Credits belohnt werden, damit dieses für unsere Welt so wichtige Thema von allen bewusster und aufmerksamer verfolgt wird. Nachhaltigkeit muss für mehr Studiengänge zum Thema gemacht werden! Dahingehend knüpft unser nächsten Ziel an, dass das Studium Oecologicum wieder eingeführt wird. Auch in unseren Mensen soll sich dem Thema Ökologie mit erhöhter Aufmerksamkeit gewidmet werden. So soll versucht werden, nachhaltige und vor allem regionale Produkte für die Gerichte zu verwenden, ohne dabei die Preise in die Höhe schnellen zu lassen. Neben der Mensa am Turm kann hier noch viel erreicht werden. Auch sollen Einweg-Produkte wie Pappbecher oder unnötiger Verpackungsmüll reduziert werden. Das alles fordern wir für eine nachhaltige Universität.

Kampf gegen Rechts/Antifaschismus

  • Allgemeinpolitisches Mandat
  • fächerübergreifende Auseinandersetzung mit der NS-Zeit
  • Festival contre le rasicme
  • Rechte Netzwerke an Universitäten und Umgebung aufdecken
Ausführliche Version
Keinen Fußbreit dem Faschismus! Als Juso-Hochschulgruppe setzen wir uns gegen rechtes Gedankengut ein. Dabei endet unser Engagement nicht an den Toren der Universität, sondern setzt sich, da diese Teil der Gesellschaft ist, hinter den Toren fort. Rassismus ist schon lange kein kleines Problem mehr, welches nur von Randgruppen widergespiegelt wird, sondern geht alle Menschen etwas an. Wir sehen es in unsere Verantwortung Erinnerungen an die Opfer der Schoah und des Nationalsozialismus wach zu halten und wollen daher eine fächerübergreifende Thematisierung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Namensgeber:innen, Autor:innen, Forscher:innen, aktuell noch fortwirkenden Gesetzesgrundlagen etc. Nach vermehrten antisemitischen und rassistischen Anschlägen wie Chemnitz, Kassel, Halle und Hanau ist das Bewusstsein erneut gewachsen, dass der rechte Terror in Deutschland existiert. Auch hier direkt vor Ort hier in Göttingen hat sie dies bereits in einigen Aktionen gezeigt. So gab es in den letzten Monaten u.a. vermehrt Sprühaktionen mit Drohungen welche mit rechtsextremen Symbolen versehen waren. Rechte Netzwerke müssen an den Hochschulen untersucht und aufgedeckt werden. Wir wollen unsere Hochschule frei von Rassismus und Faschismus und werden nicht müde uns in den akademischen Selbstverwaltungen, direkt vor Ort und auf Landes- und Bundesebene dafür einzusetzen, dass alle Studis frei von Rassismus und Ängsten studieren können. Dies bedeutet für uns, dass wir konsequent Nazipropaganda bekämpfen und das Festival contre le Rasisme fortführen werden. Zudem setzten wir uns für politische Bildung als einen Schwerpunkt im Allgemeinen Studierendenausschuss ein.

Internationales

  • internationle Kooperationen stärken
  • Erasmus+ ausbauen
  • Nicht-EU Studierende fördern
Ausführliche Version
Als Juso-Hochschulgruppe verstehen wir uns als ein Teil einer internationalen Gemeinschaft, denn Rassismus, digitale Entwicklungen und der Klimawandel machen keine halt vor nationalen Grenzen. Deswegen sehen wir es als unsere Aufgabe an, gemeinsam auf internationaler Ebene an Lösungen zu arbeiten und solidarisch mit denen zu sein, die durch diese Entwicklungen besonders betroffen sind. Gerade der Forschung kommt dabei eine wichtige Rolle zu, Lösungen für internationale Herausforderungen zu finden. Deswegen setzen wir uns dafür ein, internationale Verbindungen und Vernetzungen in der Wissenschaft weiter voranzubringen. Auf europäischer Ebene müssen die bestehenden Kooperationen weiter ausgebaut werden, um mehr Möglichkeiten für internationale Forschung und Lehre zu schaffen. Dazu muss das Erasmus+ Programm weiter ausgebaut werden und das Platzkontingent zunehmen. Zudem fordern wir, dass die bereits unter Bologna angekündigte stärkere Vergleichbarkeit der Abschlüsse endlich umgesetzt wird, denn ein Auslandssemster oder Studium darf nicht zum Nachteil der Studierenden werden. Wir plädieren dafür, dass das Vereinigte Königreich auch nach dem Austritt aus der EU weiterhin in den europäischen Austausch eingebunden wird. Als fatales Signal für die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit sehen wir, dass der vorgesehene Anteil für Wissenschaft im nächsten Haushalt der EU stark abnehmen wird. Dies ist ein Schritt in die falsche Richtung! Wir sehen eine vertiefte Zusammenarbeit in der Wissenschaft auch abseits der EU für dringend notwendig. Dabei gilt es den Eurozentrismus kritisch zu hinterfragen und postkoloniale Kontinuitäten aufzudecken. Antirassismus muss auch in der internationalen Wissenschaft vorangetrieben werden. Hindernisse für Nicht-Weiße studierende müssen abgebaut werden. Wir sind gegen diskriminierende Studiengebühren für Nicht-EU-Studierende und setzen uns für mehr Förderprogramme ein. Gerade in Zeiten einer Krise gilt es, internationale Studierende stärker zu unterstützen und ihnen eine unbefristete Bleibeperspektive zu geben.

Warum wir wieder in den AStA wollen:

Nicht jede positiv Veränderung an der Universität muss durch den AStA geschehen, doch für uns ist er mit das wichtigste Gremium zur Umsetzung unserer Ziele. Deshalb ist es auch dieses Jahr wieder unser Ziel, uns am allgemeinen Studierendenausschuss zu beteiligen. Hierfür wollen wir ein möglichst großer Teil einer progressiven Mehrheit im Studierendenparlament sein. Letztes Jahr gelang es den linken Gruppen durch einen starken Wahlkampf und das Ansprechen der Themen, die die Studierenden wirklich bewegen, eine Koalition für den AStA bilden zu können. Hierbei stellte die Juso-HSG über das vergangene Jahr den AStA-Vorsitz mit Felix Schabasian, das Referat für politische Bildung mit Sofia Dräger und das Sozialreferat mit Hauke Bruns. Außerdem stammt eine ganze Reihe an Sachbearbeiter* innen aus unserer Reihen. Auch in einigen anderen Referate waren wir vertreten und konnten dort inhaltliche Impulse setzten. Für uns ist klar, dass ein Programm, das alle Bereiche abdeckt, auch in allen Bereichen umgesetzt gehört!

So haben wir gemeinsam für Themen wie das Kann-Semester gekämpft, einzelne Vorträge und ganze Vortrags- oder Aktionsreihen, wie die zu Verschwörungsmythen oder psychischer Gesundheit organisiert. Wir haben durch eine Erhöhung der Budgets für die Semesterticketrückerstattung und der Sofortdarlehen gezeigt, dass die direkte Unterstützung der Studierenden und ein starkes allgemeinpolitsches Profil in einem linken AStA keine Widersprüche sind. Die Selbstbeschränkung auf Service, wie sie andere rechte oder “unpolitische” Gruppen sich auferlegt haben, rührt schlicht in einem Mangel an Kreativität und gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein. Ein AStA der für seine Studierenden arbeitet, ist für uns eine Selbstverständlichkeit!

Wenn ihr einen AStA haben wollt, der für euch kämpft, der ein allgemeinpolitisches Mandat wahrnimmt und Angebote für eine kritische Studierendenschaft bereitstellt, dann gebt eure Stimme der Juso-Hochschulgruppe.